Ancelotti: “Brasilien kann mit den Besten der Welt mithalten”

Carlo Ancelotti hat sich nach der 1:2-Testspielniederlage gegen Frankreich am Donnerstag (26. März) im Gillette Stadium in Boston zuversichtlich gezeigt. Der italienische Cheftrainer der brasilianischen Nationalmannschaft ist überzeugt: Seine Seleção kann auf höchstem Niveau bestehen.

Carlo und Davide Ancelotti – Foto: Rafael Ribeiro/CBF

„Das heutige Spiel macht mir eines glasklar: Wir können mit den besten Teams der Welt mithalten. Daran habe ich keinen Zweifel. Wir haben gegen eine sehr starke, qualitativ hochwertige Mannschaft gespielt und bis zur letzten Minute um den Sieg gekämpft. Ich bin überzeugt, dass wir die WM mit vollem Einsatz angreifen werden”, erklärte Ancelotti nach der Partie.

An der Pressekonferenz liess der Coach keinen Zweifel daran, dass ihn das Ergebnis nicht kaltlässt, hob jedoch den Kampfgeist seiner Mannschaft hervor: „Wenn man verliert, darf man nie zufrieden sein, und das sind wir nicht. Das Ergebnis ist nicht das Wichtigste, aber es zeigt, was wir gut gemacht haben und was nicht. Im Gesamtbild des Spiels bin ich dennoch zufrieden, weil die Mannschaft gekämpft hat, konkurrenzfähig war und auch durch Standards gefährlich wurde.”

Frankreich zeigte, warum sie zu den WM-Favoriten zählen

Das Duell war ein Gradmesser auf höchstem Niveau. Frankreich reiste als Favorit nach Boston: ungeschlagen seit Juni 2025, dominant in der WM-Qualifikation mit 16 von 18 möglichen Punkten und einer Tordifferenz von 16:4. Mit einem wiedergenesenen Kylian Mbappé, der kurz davor steht, den französischen Torrekord zu brechen, verfügt Didier Deschamps über ein Ensemble, das derzeit kaum zu bezwingen ist. Für den langjährigen Nationaltrainer, der nach der WM 2026 zurücktreten wird, ist der Titel das erklärte Ziel eines würdigen Abschlusses.

Brasilien hingegen kam mit Fragezeichen. Die WM-Qualifikation verlief enttäuschend: Nur fünf Siege in 18 Spielen, darunter eine peinliche 1:4-Niederlage gegen Argentinien. Ancelotti, der erst seit Kurzem das Amt übernommen hat, sucht noch nach einer stabilen taktischen Identität. Das Testspiel gegen Frankreich war also nicht nur eine Formprüfung, sondern auch ein Stimmungsbarometer für alles, was bis zum WM-Auftakt am 13. Juni noch zu tun ist.

Das Neymar-Kapitel neigt sich dem Ende

Auf die Frage, ob Neymar bei der WM zum Einsatz kommen könnte, wich Ancelotti einer direkten Antwort aus: „Jetzt müssen wir über die Spieler sprechen, die hier waren, die gespielt, alles gegeben und hart gearbeitet haben. “Hinter dieser diplomatischen Formulierung steckt eine klare Botschaft.

Neymar, mit 34 Jahren immer noch Rekordtorschütze der Seleção, wurde erneut nicht nominiert. Sein letztes Länderspiel liegt zweieinhalb Jahre zurück: Im Oktober 2023 riss er sich beim WM-Qualifikationsspiel gegen Uruguay das Kreuzband im linken Knie. Eine zweite Operation folgte im Dezember desselben Jahres. Anfang 2025 verliess er den saudischen Klub Al-Hilal ablösefrei und kehrte zu seinem Jugendverein FC Santos zurück.

Dort zeigt er zwar Lebenszeichen, im Februar erzielte er beim 2:1-Sieg über Vasco da Gama zwei Tore, doch anhaltende Oberschenkelprobleme und Belastungssteuerung halten ihn weiterhin zurück. Ancelotti liess sich vor der Kaderbekanntgabe noch persönlich in Brasilien blicken, um sich ein Bild zu machen. Das Urteil fiel trotzdem gegen Neymar aus.

Gegenüber Journalisten stellte der Trainer zwar die Tür einen Spalt weit offen: „Wir brauchen Spieler, die in Bestform sind. Neymar muss weiter hart arbeiten, spielen und seine Qualitäten unter Beweis stellen.” Doch die Realität spricht eine andere Sprache. Neymar selbst reagierte öffentlich: „Natürlich bin ich enttäuscht und traurig. Aber der Fokus bleibt bestehen. Die endgültige Nominierung steht noch aus.

Ancelotti setzt auf die nächste Generation

Ohne Neymar und den ebenfalls verletzten Rodrygo (Kreuzbandriss, Real Madrid) zeigt Ancelotti, dass Brasilien über genug Qualität verfügt. Vinicius Junior (Real Madrid) und Raphinha (FC Barcelona) spielen auf höchstem europäischem Niveau. Matheus Cunha (Manchester United) bringt internationale Erfahrung mit. Endrick, derzeit auf Leihbasis bei Olympique Lyon, erlebt eine Rückkehr zu alter Stärke. Und mit Igor Thiago (FC Brentford) feiert ein neues Gesicht sein Debüt in der Seleção.

Neu im Staff ist auch Davide Ancelotti. Der Sohn des Trainers kehrt als Co-Trainer zurück, nachdem er beim brasilianischen Klub Botafogo entlassen worden war. Vater und Sohn arbeiten nun gemeinsam an der letzten WM-Vorbereitung.

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