Der brasilianische Fussballverband CBF hat die offiziellen Rückennummern für die Weltmeisterschaft zwar noch nicht bekannt gegeben, doch Matheus Cunha machte am Freitag (29.) bereits deutlich, dass er keinen Anspruch auf die legendäre Nummer 10 erhebt, die er bei Manchester United trägt. Für den Angreifer zählt vor allem eines: das Trikot Brasiliens auf der grössten Bühne des Fussballs zu tragen. Alles deutet darauf hin, dass die ikonische Nummer weiterhin Neymar gehören wird.

„Die Frage nach der Rückennummer ist auf diesem Niveau völlig nebensächlich. Es ist ein unglaubliches Privileg, dieses Trikot zu tragen und sich einen Traum zu erfüllen. Ich sage das immer wieder, aber es entspricht der Wahrheit. Die Nummer spielt keine Rolle. Wir haben alle gesehen, wie Neymar auf seine Rückkehr reagiert hat. Dass ein Spieler seiner Grösse so stolz ist, wieder dabei zu sein, sagt alles. Die Nummernfrage steht für uns überhaupt nicht im Mittelpunkt“, erklärte Cunha.
Für den 27-Jährigen ist es die erste Weltmeisterschaft seiner Karriere. Seine grösste Stärke sieht er in seiner Vielseitigkeit, die ihm Chancen auf einen Platz in der Startelf von Nationaltrainer Carlo Ancelotti eröffnen könnte. Auf die Frage nach seinem bevorzugten Spielsystem verwies Cunha auf die Dynamik des modernen Fussballs, in dem taktische Formationen oft nur eine Momentaufnahme seien.
„Ehrlich gesagt sind taktische Systeme heute in vielen Situationen eine Illusion. Man beginnt in einer Formation, doch im Spielverlauf muss man sich ständig anpassen. Es kommt häufig vor, dass wir in einem 4-4-2 verteidigen und der Gegner nach zehn Minuten bereits umstellt. Dann reagieren wir ebenfalls automatisch darauf. Deshalb ist es schwer zu sagen, welches System für mich am angenehmsten ist.
In vielen Formationen übernimmt man letztlich dieselbe Rolle. Bei Manchester United spiele ich beispielsweise häufig über die linke Seite, ziehe im Spielaufbau aber ins Zentrum, um Bruno Fernandes zu unterstützen. Ich fühle mich wohl in dieser Rolle und bin dankbar, dass ich so flexibel einsetzbar bin. Die beste Formation ist am Ende diejenige, in der man spielt und sich an jedes System anpassen kann“, analysierte der Offensivspieler.
Rayan geniesst den WM-Traum
Auch Rayan strahlte bei seinem Medienauftritt über das ganze Gesicht. Der 19-Jährige gehört gemeinsam mit Endrick zu den jüngsten Spielern im brasilianischen WM-Kader und kann sein Glück kaum fassen. Der beim Vasco da Gama ausgebildete Angreifer, der in der Favela Barreira do Vasco aufgewachsen ist, berichtete von der Begeisterung in seiner Heimatgemeinde.

„In der Barreira wird gefeiert. Viele Menschen bemalen die Strassen und malen sogar mein Gesicht auf die Wände. Das ist nicht nur für mich ein besonderer Moment, sondern für die ganze Gemeinschaft, in der ich aufgewachsen bin und einen grossen Teil meines Lebens verbracht habe. Als die Nominierung bekannt wurde, hat meine Familie sofort gefeiert.
Ehrlich gesagt feiern sie wahrscheinlich noch immer. In der Barreira wird sogar eine Grossleinwand aufgestellt, damit alle die Spiele verfolgen können“, erzählte Rayan. Für den jungen Stürmer ist die WM-Teilnahme weit mehr als ein persönlicher Erfolg. „Das ist ein Moment voller Freude, den ich einfach geniessen möchte.
Mit 19 Jahren an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen, schaffen nur wenige. Ich bin ein Junge aus einer einfachen Gemeinschaft. Wenn Gott will, bringen wir den sechsten WM-Titel nach Brasilien“, sagte er voller Zuversicht. Auch von den ersten Tagen im Nationalteam berichtete Rayan mit einem Lächeln. Besonders eine spontane Drachenflug-Challenge zwischen den Spielern sorgte für Auflockerung im Trainingslager.
„Ich wurde unglaublich herzlich aufgenommen. Diese Drachen-Aktion war einfach ein lockerer Moment unter uns. Lucas Paquetá und Bruno Guimarães haben sich sofort um mich gekümmert. Mein Team bestand aus Wesley und mir, während Bruno und Paquetá die Gegenseite bildeten. Jeder hatte drei Drachen. Wir haben nur einen Drachen des Gegners erwischt, zwei sind uns davongeflogen. Aber wir bekommen eine Revanche und werden zurückschlagen“, sagte der lachende Rayan.
