Mit dem Anpfiff der Weltmeisterschaft 2026 beginnt jenes Turnier, das seit Generationen Menschen auf allen Kontinenten in seinen Bann zieht. Kaum ein anderes Sportereignis erreicht eine vergleichbare emotionale Kraft. Für Milliarden von Fans ist die WM weit mehr als ein Wettbewerb. Sie ist ein globales Fest der Kulturen, der Träume und der grossen Geschichten. Für Brasilien und die Seleção eröffnet sich erneut die Chance, an jene glanzvollen Kapitel anzuknüpfen, die das Land zur erfolgreichsten Fussballnation der Geschichte gemacht haben.

Die Endrunde wird erstmals von drei Gastgebern gemeinsam ausgerichtet: den USA, Mexiko und Kanada. Zudem schlägt die FIFA ein neues Kapitel auf. Statt 32 nehmen nun 48 Nationalmannschaften teil. Damit wird die Weltmeisterschaft grösser als je zuvor und bietet Ländern eine Bühne, die bislang oft an den Hürden der Qualifikation scheiterten.
Die Bedeutung des Turniers lässt sich auch an den Zahlen der vergangenen Ausgabe in Katar ablesen. Nach Angaben der FIFA verfolgten rund fünf Milliarden Menschen die WM 2022. Allein das dramatische Endspiel zwischen Argentinien und Frankreich erreichte mehr als 1,5 Milliarden Zuschauer und stellte damit einen historischen Rekord für ein Sportereignis auf. Auch digital wurden neue Dimensionen erreicht. Über verschiedene Plattformen hinweg kamen hunderte Milliarden Aufrufe und Milliarden von Interaktionen zusammen.
FIFA-Präsident Gianni Infantino spricht häufig von der besonderen Fähigkeit des Fussballs, die Welt zu vereinen. Tatsächlich zeigt sich diese Kraft bei Weltmeisterschaften immer wieder. Wer sich an die WM 2014 in Brasilien erinnert, denkt nicht nur an Spiele und Tore. In den Strassen von Rio de Janeiro, Salvador, Recife oder São Paulo trafen Menschen unterschiedlichster Herkunft aufeinander. Fans tauschten Trikots, sangen gemeinsam und feierten bis tief in die Nacht. Die Stadien wurden zu Treffpunkten der Welt, die Fanmeilen zu einem einzigartigen kulturellen Schmelztiegel.
Genau dieses Bild soll 2026 noch grösser werden. Die Austragung in drei Ländern verspricht eine aussergewöhnliche Mischung verschiedener Traditionen und Lebensweisen. Vom mexikanischen Temperament über die nordamerikanische Eventkultur bis hin zur kanadischen Gastfreundschaft entsteht ein Turnier, das sich über einen ganzen Kontinent erstreckt. Die Wege zwischen den Spielorten sind länger als je zuvor, doch gerade darin liegt ein Teil seiner Besonderheit.
Auch sportlich bringt die neue WM einige bemerkenswerte Premieren mit sich. Das Eröffnungsspiel erinnert an ein Stück Fussballgeschichte: Erneut treffen Mexiko und Südafrika aufeinander, genau wie beim Auftakt der WM 2010. Eine solche Wiederholung eines Eröffnungsspiels hat es seit Einführung des heutigen Turnierformats noch nie gegeben.
Ein weiteres historisches Kapitel schreibt das legendäre Estadio Azteca. Die traditionsreiche Arena wird als erstes Stadion überhaupt bereits zum dritten Mal ein WM-Eröffnungsspiel austragen. Schon 1970 und 1986 begann dort das grösste Fussballturnier der Welt. Für viele Fans ist das Azteca ohnehin ein heiliger Ort des Fussballs. Hier begeisterte Pelé die Welt, hier schrieb Diego Maradona seine berühmtesten und umstrittensten Geschichten.
Bereits vor dem ersten Anpfiff wurde die WM mit einer neuartigen Eröffnungsinszenierung eingeleitet. Die FIFA organisierte zeitgleich stattfindende Countdown-Konzerte in Mexiko-Stadt, Toronto und Los Angeles. Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Ländern traten in einem miteinander verbundenen Programm auf und symbolisierten damit die grenzüberschreitende Idee dieses Turniers.
In Mexiko standen traditionelle kulturelle Elemente im Mittelpunkt, darunter Musik, Tanz, folkloristische Darbietungen sowie das farbenfrohe „Papel Picado“, das zu den bekanntesten Festtagssymbolen des Landes gehört. Zu den angekündigten Künstlern gehören unter anderem Shakira, Burna Boy, J Balvin, Maná sowie Anitta, die bei den Veranstaltungen dieUSA vertreten sein soll.
Doch nicht alles rund um die Weltmeisterschaft wird von Begeisterung begleitet. Schon vor Turnierbeginn sorgten politische Spannungen und Einreisebestimmungen für Diskussionen. Mehrere Berichte über Schwierigkeiten bei Visaerteilungen, Grenzkontrollen und Einreiseverfahren lösten Kritik aus. Betroffen waren Spieler, Offizielle und Fans verschiedener Nationen.
Besonders Aufsehen erregten Fälle von langwierigen Befragungen und Einreiseproblemen einzelner Delegationsmitglieder. Auch die iranische Mannschaft musste ihre ursprünglichen Reise- und Unterkunftspläne ändern. Statt auf US-amerikanischem Boden zu übernachten, wurde die Delegation im mexikanischen Tijuana untergebracht und muss für ihre Spiele jeweils die Grenze überqueren. Zudem berichteten einige iranische Anhänger von kurzfristigen Problemen mit bereits erworbenen Eintrittskarten.
All diese Debatten werden jedoch spätestens mit dem ersten Anpfiff in den Hintergrund treten. Dann richtet sich der Blick wieder auf das Wesentliche: den Fussball. Für Brasilien beginnt erneut die Jagd nach dem sechsten Stern. Die Erinnerung an die grossen Triumphe von 1958, 1962, 1970, 1994 und 2002 lebt in jeder Generation weiter. Die Seleção bleibt trotz aller Veränderungen im Weltfussball ein Symbol für Kreativität, Spielfreude und technische Brillanz.
Wenn heute der Ball rollt, beginnt nicht nur ein Turnier. Es beginnt ein weiterer Monat voller Emotionen, Überraschungen und Geschichten, die noch jahrelang erzählt werden. Genau das macht die Weltmeisterschaft einzigartig. Sie vereint Nationen, lässt Rivalitäten entstehen, schafft Helden und verwandelt Fussball für einige Wochen in die gemeinsame Sprache der Welt. Für die Seleção und ihre Anhänger startet nun die nächste grosse Mission. Vielleicht endet sie am Ende ganz oben.
