Der Name Lionel Messi fällt bei dieser Weltmeisterschaft beinahe in jeder Übertragung. Selbst wenn Argentinien gar nicht spielt, wird der Weltmeister als Massstab, Legende oder Vorbild erwähnt. Kaum ein anderer Fussballer der Geschichte geniesst einen vergleichbaren medialen Schutz. Kritische Stimmen bleiben selten, obwohl es durchaus Episoden gibt, die ein differenzierteres Bild des achtfachen Weltfussballers zeichnen würden.

Messis sportliche Leistungen sind unbestritten. Mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2022 krönte er eine aussergewöhnliche Karriere, dazu kommen zahlreiche Meistertitel, Champions-League-Triumphe und individuelle Auszeichnungen. Doch genau deshalb stellt sich die Frage, weshalb über seine Schattenseiten so wenig gesprochen wird, während andere Weltstars für deutlich kleinere Vorfälle regelmässig kritisiert werden.
Ein Beispiel ist die Wahl zum Weltfussballer. Acht Auszeichnungen sprechen für sich. Dennoch wurde bei mehreren Vergaben kontrovers diskutiert, ob andere Spieler die Ehrung ebenso oder sogar mehr verdient hätten. Gerade Kylian Mbappé spielte in verschiedenen Jahren auf höchstem Niveau und war sowohl im Verein als auch mit der französischen Nationalmannschaft überragend. Solche Diskussionen gehören zum Fussball. Dennoch entsteht häufig der Eindruck, dass bei Messi Kritik schneller verstummt als bei anderen Superstars.
Auch abseits des Rasens wird sein Auftreten unterschiedlich wahrgenommen. Immer wieder berichten Fans, dass Autogrammwünsche, insbesondere von Kindern, nicht immer die erhoffte Aufmerksamkeit erhalten. Gleichzeitig gibt es zahlreiche andere Begegnungen, bei denen Messi freundlich, geduldig und nahbar auftritt. Einzelne Erlebnisse können deshalb nicht als allgemeingültiges Urteil über seine Persönlichkeit dienen. Sie zeigen jedoch, dass auch bei ihm nicht jede Begegnung dem Bild des stets perfekten Idols entspricht.
Auf dem Spielfeld gehört Messi zu den Spielern, die ihre Cleverness bis an die Grenzen des Erlaubten einsetzen. Kleine und grössere taktische Fouls, Diskussionen mit Schiedsrichtern oder Gesten gegenüber Gegenspielern sind im Laufe seiner Karriere mehrfach dokumentiert worden. Wie viele Spitzenspieler versucht auch er, Vorteile für seine Mannschaft herauszuholen. Während ähnliche Szenen bei anderen Akteuren oft tagelang analysiert werden, geraten sie bei Messi meist rasch in Vergessenheit.
Auch sein Verhalten vor oder nach Spielen wird unterschiedlich bewertet. Manche Gegner berichteten, dass der argentinische Captain beim Handschlag oder im direkten Umgang eher distanziert wirke. Andere ehemalige Mitspieler und Rivalen wiederum schildern ihn als respektvollen und ruhigen Charakter. Solche Wahrnehmungen sind subjektiv und hängen oft von einzelnen Begegnungen ab.
Vielleicht wäre es an der Zeit, Lionel Messi nicht länger wie eine unfehlbare Fussball-Ikone zu behandeln, sondern wie jeden anderen Weltstar. Wer Höchstleistungen feiert, muss auch Schwächen benennen dürfen. Kritik schmälert seine sportliche Karriere nicht. Im Gegenteil: Sie macht das Gesamtbild ehrlicher. Solange einzelne Superstars von einem medialen Schutzschild profitieren, bleibt die oft geforderte Objektivität im Sport nichts weiter als ein schöner Anspruch.
