Argentiniens Mannschaft fiel während der gesamten Fussballweltmeisterschaft wiederholt durch unnötige Fouls, gezielte Provokationen, Rudelbildungen, ständige Reklamationen und unsportliches Verhalten gegenüber den Gegnern auf. Was zunächst wie übersteigerter Kampfgeist wirken mochte, entwickelte sich von Spiel zu Spiel zu einem erkennbaren Muster. Besonders kritisch war dabei die Rolle des Captains.

Statt seine Mitspieler zu beruhigen, Grenzen zu setzen und Verantwortung für das Auftreten der Mannschaft zu übernehmen, duldete er die wiederkehrenden Entgleisungen oder beteiligte sich selbst an den Auseinandersetzungen. Ein Captain trägt jedoch nicht nur die Binde am Arm. Er hat die Aufgabe, seine Mannschaft gerade in aufgeheizten Momenten zu führen und daran zu erinnern, dass Leidenschaft und Härte niemals über Respekt und Fairness stehen dürfen.
Die Fouls waren so unterschiedlich wie die Spieler, doch ihr Ursprung war häufig derselbe: eine gezielte Provokation. Gegenspieler wurden verhöhnt, gereizt und so lange herausgefordert, bis sie die Beherrschung verloren und sich zu einer unüberlegten Reaktion hinreissen liessen. Danach präsentierten sich die argentinischen Akteure gerne als Opfer einer Situation, die sie zuvor selbst heraufbeschworen hatten.
Auch körperlich wurden die Grenzen des Erlaubten immer wieder bewusst ausgelotet. Manche Fouls richteten sich nicht gegen den Ball, sondern unmittelbar gegen die Beine des Gegners. Kaum ertönte der Pfiff, folgte jedoch die demonstrative Unschuldsmiene: weit geöffnete Augen, ausgebreitete Arme und ein Gesichtsausdruck, der sagen sollte: «Ich doch nicht!» Die eigene Aktion wurde heruntergespielt, während beim kleinsten Kontakt auf der anderen Seite lautstark protestiert und eine Bestrafung des Gegners gefordert wurde.
Hinzu kamen die Rudelbildungen, bei denen sich innerhalb weniger Augenblicke zahlreiche Spieler um den Schiedsrichter oder einen gegnerischen Akteur versammelten. Statt zur Beruhigung beizutragen, wurde die Situation zusätzlich aufgeheizt. Reklamationen wirkten dabei nicht mehr wie spontane Reaktionen auf einzelne Entscheidungen, sondern wie ein dauerhaftes Mittel, Druck auf die Spielleitung auszuüben und die Deutung des Geschehens zu beeinflussen.
Gerade diese Verbindung aus Provokation, übertriebener Härte und anschliessender Opferrolle hinterliess einen bitteren Eindruck. Sie hatte mit leidenschaftlichem Fussball nur noch wenig zu tun. Kampfgeist gehört zu Argentinien und ist ein wesentlicher Teil seiner Fussballkultur. Doch wenn Provokationen zur Methode werden, Fouls gezielt gegen den Körper gehen und Verantwortung konsequent abgestritten wird, verwandelt sich Leidenschaft in Unsportlichkeit.
Die Verantwortung liegt allerdings nicht allein bei Argentinien. Besonders gefordert sind auch die Schiedsrichter, die Provokationen, übertriebene Härte, Rudelbildungen und ständige Reklamationen frühzeitig erkennen und konsequent unterbinden müssen. Werden solche Verhaltensweisen geduldet oder nur halbherzig bestraft, entsteht der Eindruck, sie seien ein akzeptierter Bestandteil des Spiels. Eine klare und einheitliche Linie der Unparteiischen ist deshalb unverzichtbar, um die Spieler zu schützen und die Kontrolle über eine Partie zu bewahren.
Auch die Fans tragen Verantwortung. Leidenschaftliche Unterstützung gehört zum Fussball, doch Beleidigungen, das Werfen von Gegenständen und jede Form von Einschüchterung haben in einem Stadion keinen Platz. Wer seine Mannschaft liebt, sollte sie mit Gesängen, Fahnen und Begeisterung unterstützen, nicht durch Aktionen, die Spieler gefährden, den Ruf des eigenen Landes beschädigen und den sportlichen Wettbewerb in den Hintergrund drängen.
Alle Nationalmannschaften haben nun vier Jahre Zeit, sich auf die nächste Weltmeisterschaft vorzubereiten. Diese Zeit sollte nicht nur für taktische Systeme, körperliches Training und die Suche nach neuen Talenten genutzt werden. Ebenso wichtig ist es, Fairness, Respekt und die Anerkennung des Gegners fest in der eigenen Spielkultur zu verankern. Das betrifft Spieler, Trainer, Verbände, Schiedsrichter und Fans gleichermassen.
Wer in vier Jahren um den grössten Titel des Weltfussballs kämpfen will, sollte daher nicht nur sportlich besser vorbereitet sein. Alle Beteiligten müssen verstehen, dass wahre Grösse nicht allein an Siegen und Pokalen gemessen wird. Sie zeigt sich auch darin, wie eine Mannschaft gewinnt, wie sie verliert und wie sie ihren Gegnern, den Schiedsrichtern und dem Spiel selbst begegnet.
