
Künstlername: Rivaldo
Kompletter Name: Rivaldo Vítor Borba Ferreira
Geburtsdatum: 19/04/1972
Geburtsort: Recife (PE)
Grösse: 1,86 m
Position: Mittelfeld
Vereine:
2016: Karriereende
2014 bis 2015: Mogi Mirim (SP)
2013: AD São Caetano (SP)
2012: Kabuscorp (Angola)
2011: São Paulo (SP)
2008 bis 2011: Usbekistan
2007 bis 2008: AEK Athen (GR)
2004 bis 2007: Olympiakos Piräus (GR)
2004: Cruzeiro (MG)
2002 bis 2003: AC Milan (IT)
1997 bis 2002: FC Barcelona (ES)
1996 bis 1997: Deportivo La Coruña (ES)
1994 bis 1996: Palmeiras (SP)
1993 bis 1994: Corinthians SP (SP)
1992 bis 1994: Mogi Mirim (SP)
1988 bis 1992: Santa Cruz FC (PE)
WM-Einsätze Seleção:
WM 2002 Korea/Japan
Vom Barfusskicker zum Weltstar
Wenn man die Geschichte von Rivaldo erzählt, dann beginnt sie nicht in einem Stadion, sondern auf staubigen Strassen. Geboren am 19. April 1972 in Paulista, aufgewachsen in den Armenvierteln von Recife, lernte er früh, was Verzicht bedeutet. Hunger war kein Schlagwort, sondern Alltag.
Die Folgen der Unterernährung zeichneten sich sichtbar ab: ausgeprägte O-Beine, verlorene Zähne, ein schmaler Körper. Doch ausgerechnet dieser Körper entwickelte eine Technik, die später ganz Europa staunen liess.
Mit 16 Jahren verlor er seinen Vater Romildo bei einem Verkehrsunfall. Noch im selben Jahr unterschrieb er seinen ersten Profivertrag. Es war kein romantischer Traum, es war eine Notwendigkeit. Fussball war Rettungsanker, Verantwortung und Hoffnung zugleich.
Lehrjahre in Brasilien
Seine ersten Schritte im Profifussball machte Rivaldo bei Santa Cruz Futebol Clube. Es folgte der Wechsel zu Mogi Mirim Esporte Clube, später ein Leihgeschäft zu Sport Club Corinthians Paulista. Dort erzielte er in 22 Spielen 11 Tore. Plötzlich sprach man von diesem schlaksigen Techniker mit dem präzisen linken Fuss.
Der Durchbruch kam bei Sociedade Esportiva Palmeiras. Zwischen 1994 und 1996 erzielte er in 86 Spielen 55 Tore. 1994 gewann er die brasilianische Meisterschaft, 1996 die Campeonato Paulista. Hinzu kamen die Campeonato Brasileiro Série A Titel 1994 und 1996 sowie individuelle Ehrungen wie die Wahl ins Bola-de-Ouro-Team der Saison. Rivaldo war nicht nur Spielmacher. Er war Vollstrecker.
Der Sprung nach Europa
1996 wechselte er zu Deportivo de La Coruña. In 41 Pflichtspielen erzielte er 21 Tore. Er wurde zum besten ausländischen Spieler der Liga gewählt und ins Team der Saison berufen.
1997 folgte der Transfer zum FC Barcelona. Am Camp Nou schrieb er Geschichte. In 235 Pflichtspielen traf er 130 Mal. Er gewann zweimal die La Liga, holte die Copa del Rey, dazu den UEFA Super Cup 1997 und stand im Halbfinal der UEFA Champions League.
Unvergessen bleibt der 17. Juni 2001 gegen Valencia CF. Drei Tore. Das dritte ein Fallrückzieher aus rund 20 Metern in der Nachspielzeit. Barcelona rettete sich in die Champions League. Viele bezeichnen diesen Hattrick als den spektakulärsten der Fussballgeschichte.

1999 erreichte Rivaldo den Gipfel: Gewinn der Copa América, Torschützenkönig und Spieler des Turniers. Mit Barcelona Meister. Und dann die Krönung: Ballon d’Or und FIFA World Player of the Year. Zusätzlich wurde er in die FIFA World XI und ins UEFA Team of the Year gewählt.
Weltmeister mit Glanz und Schatten
1998 erreichte Brasilien den WM-Final. Vier Jahre später folgte die Vollendung. Bei der FIFA World Cup 2002 erzielte Rivaldo fünf Tore, bereitete mehrere Treffer vor und bildete mit Ronaldo Nazário und Ronaldinho das legendäre Offensivtrio. Brasilien gewann den fünften WM-Titel. Rivaldo wurde ins All-Star-Team gewählt und belegte Platz zwei bei der Wahl zum Weltfussballer 2002.
Der Zwischenfall gegen die Türkei blieb ein Makel. Eine theatralische Szene nach einem harmlosen Ballkontakt führte zu einer roten Karte für den Gegner und zu einer Geldstrafe für Rivaldo. Es war ein dunkler Fleck in einer sonst glänzenden WM.
Europas Krone mit Milan
2002 wechselte er zur AC Milan. 2003 gewann er die UEFA Champions League, dazu die Coppa Italia, den UEFA Super Cup und den Intercontinental Cup. Auch wenn er sportlich nicht immer Stammspieler war, komplettierte er damit seine Sammlung der grössten Titel im Klubfussball.
Die späten Jahre rund um den Globus
Mit Olympiacos F.C. gewann er drei Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Bei AEK Athens F.C. blieb er Leistungsträger. In Usbekistan führte er FC Bunyodkor zu zwei Meistertiteln und wurde zweimal als Spieler des Jahres ausgezeichnet.
Stationen in Angola bei Kabuscorp S.C.P., in Brasilien bei São Paulo FC und Cruzeiro Esporte Clube folgten. 2015 beendete er endgültig seine Karriere. Bemerkenswert: Er spielte gemeinsam mit seinem Sohn Rivaldinho in einem Pflichtspiel für Mogi Mirim. Ein seltener Moment Fussballromantik.
Sein Vermächtnis
Rivaldo war kein Lautsprecher. Er war ein Künstler mit ernstem Blick. Linksfuss, Dribbler, Freistossspezialist, Distanzschütze, Kopfballtorschütze. Er erzielte über 300 Pflichtspieltore in seiner Profikarriere. In der brasilianischen Nationalmannschaft kam er auf 74 Länderspiele und 35 Tore.
Er wurde in diverse Hall of Fame Formationen aufgenommen, unter anderem in die offizielle Liste der 100 besten Spieler von FIFA.
Vom hungernden Jungen aus Recife zum Weltmeister, Champions-League-Sieger, Ballon-d’Or-Gewinner und mehrfachen Torschützenkönig auf drei Kontinenten.
Rivaldos Geschichte ist mehr als eine Karriere. Sie ist der Beweis, dass Talent, Wille und ein unerschütterlicher Glaube selbst die staubigsten Strassen der Welt in eine Bühne verwandeln können.
