Eine halbe Million Covid-Tote und Proteste gegen Bolsonaro in über 100 Städten

In über einhundert Städten Brasiliens sind am Samstag (19.) tausende Menschen auf die Straßen gegangen, um wie schon vor drei Wochen gegen die Corona-Politik und den ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro zu demonstrieren. Am gleichen Tag hat das südamerikanische Land die Marke von einer halben Million Covid-Todesopfern überschritten. Zu beiden hat sich Bolsonaro nicht geäußert.

Proteste gegen die Regierung in SP – Foto: Elineudo Meira/FotosPublicas

Demonstriert wurde in allen Hauptstädten der brasilianischen Bundesstaaten und in dutzenden anderen Städten des Landes. “Fora Bolsonaro“ (übersetzt etwa “Raus Bolsonaro) wurde auf Transparenten und in Rufchören gefordert. Angeprangert wurde ebenso die desaströse Politik der Regierung gegen die Coronaviruspandemie, die hohe Arbeitslosigkeit, die Zunahme des Hungers und Kürzungen im Bildungsbereich. Vielerorts haben die Menschen von ihren Fenstern aus die Proteste mit Fahnenschwenken und Zurufen unterstützt.

Brasilien erlebt derzeit eine Welle von Protesten. Vor einer Woche gab es in São Paulo eine “Motociata“ zu Gunsten Bolsonaros, eine Demonstration auf Motorrädern. Zu der hatten Unternehmer aufgerufen. Teilgenommen hatte an der “Motociata“ auch Bolsonaro selbst. Wie die meisten seiner Unterstützer trug auch er keinen Mundschutz.

Erst unlängst hatte Bolsonaro angekündigt die Maskenpflicht für Geimpfte und diejenigen, die sich schon mit dem Coronavirus angesteckt haben, aufzuheben. Er selbst hat in der Vergangenheit allerdings schon kaum einen Mundschutz getragen. Das Gesetz zur Maskenpflicht hatte er indes selbst im vergangenen Jahr unterzeichnet.

Anders als bei der Motociata haben die Demonstranten am Samstag auf den Mundschutz gesetzt und teilweise aus Protest gegen das Vorhaben Bolsonaros Masken verteilt.

In Brasília hatten sich Indigene der Demonstration angeschlossen. Sie forderten unter anderem das ihnen durch die Konstitution zugestandene Recht auf die Ausweisung von Territorien ein. Bolsonaro hat die Ausweisungen auf Eis gelegt und die indigenen Völker sich weitestgehend selbst überlassen.

Maßnahmen gegen eine Ansteckung der Indigenen mit dem Coronavirus sind von der Regierung erst nach einem Beschluss des Obersten Gerichts STF erlassen worden.

Über das Vorgehen der Regierung gegen ein Ausbreiten der Pandemie und über unterlassene Maßnahmen läuft derzeit im Senat ein Untersuchungsausschuss.

Die Pandemie sorgt in Brasilien nach wie vor täglich für zehntausende Neu-Erkrankte. Seit Ausbruch der Pandemie sind in dem Land nach den offiziellen Zahlen des Gesundheitsministeriums 17.883.750 positiv getestet worden.

500.800 Menschen sind an den Folgen von Covid-19 gestorben. Die Impfungen laufen mittlerweile zwar in einem schnelleren Tempo. Laut Gesundheitsministerium sind bisher jedoch nur 24,1 Millionen der 210 Millionen Brasilianer mit zwei Dosen geimpft worden.

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AutorIn: Gabriela Bergmaier Lopes

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