Eulen – die Jäger der Nacht

Zuletzt bearbeitet: 21. Dezember 2021

Eulen sind Vögel, die sich auf die Jagd in schwach beleuchteten Umgebungen spezialisiert haben und zu diesem Zweck mehrere Anpassungen aufweisen, die sie von anderen Raubvögeln unterscheiden und ihnen besondere Eigenschaften verleihen. Um ihre Beute besser aufspüren zu können, haben sie große Augen mit vergrößerter Hornhaut, Pupille und Linse, die einen besseren Lichteinfall in die Netzhaut gewährleisten, aber den Augapfel praktisch unbeweglich machen und somit das Sichtfeld einschränken.

Eulenaugen – Foto: Graham Hobster auf Pixabay

Zum Ausgleich haben sie einen Kopf, der sich um 270º drehen lässt. Entgegen der landläufigen Meinung, können Eulen bei totaler Dunkelheit jedoch nicht sehen. Sie brauchen bei der Jagd allerdings weniger ihr Sehvermögen, vielmehr ist es ihr scharfes Gehör, das ihnen einen Spitzenplatz unter den effizientesten Beutegreifern im Tierreich eingebracht hat. Sie besitzen asymmetrische Ohren und eine “Gesichtsscheibe“, die wie ein Parabolspiegel funktioniert, der die Lautstärke des Schalls auffängt, verstärkt und zum Ohr leitet, so dass Eulen ihre Beute auch inmitten eventueller Umgebungsgeräusche genau orten können.

Eulen sind unauffällig und werden selbst von den Beutetieren kaum wahrgenommen. Dank ihres weichen Gefieders, das die Reibung mit der Luft verringern kann, fliegen sie lautlos und erzeugen keine Geräusche. Aufgrund ihrer nächtlichen Gewohnheit, ihrer düsteren Stimme und ihrer besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften, werden Eulen in fast allen Kulturen in irgendeiner Weise mit Zeichen der Gefahr, als Kreaturen der Dunkelheit, des Unglücks und sogar des Todes assoziiert; man findet sie praktisch überall auf der Welt, in den verschiedensten Lebensräumen, und ihre Beziehung zum Menschen ist alt und umstritten. Leider bedroht ein solcher Aberglaube auch die Existenz dieser bewundernswerten Vögel.

Eule im Flug – Foto: ends my journey on Pixabay auf Pixabay

Weltweit gibt es über 250 Eulenarten der Familien Strigiformes, Tytonidae und Strigidae, und nach Angaben des brasilianischen Komitees für ornithologische Registrierungen gibt es davon 23 Arten in Brasilien. Einige sind so klein wie der Steinkauz (Glaucidium minutissimum), mit einem Gewicht von etwa 60g, und andere so groß wie der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) mit einem Gewicht von mehr als 2 kg.

Eulen bewohnen alle Biome Brasiliens, von den Laubwäldern des Atlantischen Regenwaldes und des Amazonas bis hin zu den trockeneren Regionen, wie dem Cerrado und der Caatinga. Die meisten leben in Wäldern, andere bevorzugen offene Flächen, Felder und Sandbänke, wie die Schleiereule (Athene cunicularia), die Amerikanische-Schleiereule (Tyto furcata), die Sumpfohreule (Asio flammeus) und die Waldohreule (Asio clamator). Die letztgenannte Art kann man auch an Waldrändern finden.

Der südliche Teil des Atlantischen Waldes (in den Bundesstaaten Paraná, Santa Catarina und im nördlichen Teil von Rio Grande do Sul) ist die Region mit dem größten Eulenreichtum – bis zu 17 Arten kommen dort vor, gefolgt von der südöstlichen Region mit 16 Arten. In der Caatinga und in der Pampa von Rio Grande do Sul sind dagegen nur 7 bis 9 Eulenarten anzutreffen.

Von den weit verbreiteten Arten ist die Schleiereule (Athene cunicularia) die beliebteste. Sie ist tagaktiv und an die städtische Umgebung angepasst, so dass man sie leicht auf Pfosten, Zaunpfählen oder auf dem Boden sitzend beobachten kann. Eine weitere sehr beliebte Stadteulenart ist die Amerikanische Schleiereule (Tyto furcata), in Brasilien bekannt als “Suindara“. Sie lebt hauptsächlich in Städten und nutzt die Dächer von Häusern, Dachböden, Scheunen und Kirchtürmen zum Schlafen oder als Nest. Weniger bekannt, aber sehr häufig ist der Waldkauz (Megascops choliba), der in städtischen Parks, auf Bauernhöfen und in Wäldern zu finden ist.

Schleier-Eule – Foto: mikezwei auf Pixabay

Manchmal kann man ihn nachts in der Nähe von Laternenpfählen beobachten, wo diese kleinen Eulen Insekten fangen, die vom künstlichen Licht angelockt werden. Der ebenfalls weit verbreitete Brasilzwergkauz (Glaucidium brasilianum) – in Brasilien „Caburé“ genannt und nur etwas über 16 cm lang – ist ein Vogelspezialist. Trotz seiner geringen Größe zögert er nicht, Vögel von seiner eigenen Größe zu jagen, manchmal sogar größere. Interessant ist, dass er im Nacken „falsche Augen“ hat, d. h. dunklere Federn, die zwei Flecken bilden, die wie zwei Augen aussehen, und die auf diese Weise andere Vögel verwirren..

Endemische Arten Brasiliens

Fünf endemische Arten kommen in der Domäne des Atlantischen Waldes vor: der Kleinst-Zwergkauz(Glaucidium minutissimum), die Schwarzkappen-Kreischeule (Megascops atricapilla), der Brasilkauz (Strix hylophila) und der Gelbbrauenkauz (Pulsatrix koeniswaldiana) sowie der Pernambuco-Zwergkauz (Glaucidium mooreorum), der kürzlich für ausgestorben erklärt wurde. Die Santa-Catarina-Kreischeule (Megascops sanctaecatarinae) ist zwar hauptsächlich im südlichen Teil des Bioms verbreitet, kommt aber auch in einigen bewaldeten Gebieten der südlichen “Gaucho-Pampa“ vor.

Vier endemische Arten kann man im Amazonas-Regenwald beobachten: Die Watson-Kreischeule (Megascops watsonii), die Usta-Kreischeule (Megascops usta) und die Guatemala-Kreischeule (Megascops guatemalae). Der endemische Amazonas-Zwergkauz (Glaucidium hardyi) ist recht selten und schwer zu beobachten, denn er hält sich gerne in den Baumkronen auf und jagt dort Vögel und andere kleine Tiere.

Die Seltensten ihrer Art

Einige Eulen sind extrem selten und schwer zu beobachten, sei es aufgrund ihres scheuen Verhaltens, ihrer begrenzten Verbreitung oder der natürlichen Seltenheit der Art. Der Gelbstirnkauz (Aegolius harrisii) ist eine dieser seltenen Arten, die in den meisten Teilen Brasiliens vorkommt und die unterschiedlichsten Lebensräume bewohnt, Wälder, Buschland, Cerrado, abwechselnd mit Lichtungen und Weiden.

Für diesen Vogel gibt es nur wenige Nachweise in Brasilien, und es fehlt an Studien über seine Biologie, weshalb er den Spitznamen „Geisterart“ trägt, d. h. er ist schwer zu entdecken. Man geht davon aus, dass sie eher unauffällig als selten ist, vielleicht weil diese Art jahreszeitliche Höhenverschiebungen aufweist, begrenzte Aktivitätszeiträume hat, wenig und leise vokalisiert, sowie aufgrund methodischer Probleme bei der Suche nach der Art.

Eine weitere seltene Art ist der Zebrakauz (Strix huhula), der hohe Wälder, Waldränder, Bäume auf Lichtungen und gelegentlich auch in der Nähe menschlicher Behausungen nistet. Auch seine Biologie ist kaum bekannt, da die meisten Nachweise sehr sporadisch sind, vielleicht ist er von Natur aus selten und seine Populationsdichte gering.

Corujinha do mato – Foto: sabiá brasilinfo

Im brasilianischen Nordosten kommt eine Unterart des wenig bekannten “Jacurutu“ vor, es ist der Virginia-Uhu (Bubo virginianus deserti). Sein erster Nachweis stammt vom März 1903, gesammelt in der Umgebung von Juazeiro da Bahia und als neue Unterart beschrieben. Seitdem wurden in diesem Biotop nur noch sehr wenige Aufzeichnungen gemacht.

Arten durch fehlende Studien in Gefahr

Man geht davon aus, dass sich die Zahl der brasilianischen Arten durch molekulare und phylogenetische Studien noch beträchtlich erhöhen kann, da mehrere geografische Populationen der bereits bekannten Arten noch nicht gut beschrieben sind. Dies kann jedoch auch beunruhigend sein, da wir den Erhaltungszustand der brasilianischen Arten immer noch nicht mit Sicherheit kennen.

Es mangelt an Daten über die natürliche Geschichte der Eulen, und fehlende Studien über die Verbreitung und den Bestand könnten dazu führen, dass einige dieser Vögel auf die Liste der gefährdeten Arten gesetzt werden und möglicherweise neue Arten an den Rand des Aussterbens geraten.

Der Pernambuco-Zwergkauz (Glaucidium mooreorum), der im nordöstlichen Atlantikwald endemisch ist (oder war), ist ein Beispiel: Er wurde kürzlich für ausgestorben erklärt, denn seit seiner Entdeckung (2002) wurde diese Art nicht mehr nachgewiesen. In den Überresten des regionalen Atlantik-Waldes wurde versucht, diese Eule mit ihrem Gesang anzulocken, aber trotz des aggressiven Verhaltens anderer Vögel hat sie nicht reagiert.

Coruja Ninho do Urubu – Foto: Archiv FotosPublicas

Obwohl Eulen die unterschiedlichsten Umgebungen bewohnen – von dichten Wäldern bis zu hoch gelegenen Feldern, und sich sogar an städtische Zentren anpassen, sind viele dieser Arten, von den seltenen bis zu den häufigsten, leiden unter der zunehmenden Abholzung und der Fragmentierung ihrer Lebensräume, unter Umweltverschmutzung, Vergiftung und leider auch unter zufälligen Angriffen durch den Volksglauben, gefährdet.

Fortpflanzung und Verhalten

In Brasilien beginnt die Brutzeit der Eulen im zeitigen Frühjahr, während sie in wärmeren Regionen mit einem großen Beuteangebot das ganze Jahr über stattfindet. Zu dieser Zeit geben die Eulen viele Laute von sich, Männchen und Weibchen “singen“ und rufen sich gegenseitig auf der Suche nach einem Partner für die Brut. Die Weibchen wählen ihr Revier nach dem Jagdpotenzial und geeigneten Nistplätzen. Die Männchen versuchen, das Weibchen für ihr Territorium zu gewinnen, indem sie ihnen eine Maus oder ein Insekt als “Hochzeitsgeschenk“ anbieten.

Eulen bauen keine Nester, sondern nutzen Höhlen oder Nester, die von anderen Tieren angelegt wurden, für ihre Brut. Die Schleiereule (Athene cunicularia) nistet in Höhlen und Löchern im Boden, die von anderen Tieren angelegt wurden, und kann diese Löcher mit ihren starken Füßen vergrößern. Die Sumpfohreule (Asio flammeus) nistet bevorzugt in Bodenvertiefungen in der Vegetation, während einige Arten auch Termitenhügel zum Nisten benutzen, wie z. B. der Brasilzwergkauz (Glaucidium brasilianum). Die meisten Waldeulen nutzen Baumhöhlen als Brutstätte.

Während der Brutzeit verteidigen die Eulen ihr Nest aktiv, indem sie Alarmrufe ausstoßen und tief über etwaige Eindringlinge hinwegfliegen. Obwohl einige Arten zu den Spitzenräubern gehören, können kleinere Eulen von anderen Raubvögeln und auch von fleischfressenden Säugetieren erbeutet werden. Neben den genannten aktiven Verteidigungsmaßnahmen wenden einige Eulen auch passive Verteidigungsstrategien an. Die Schreieule (Asio clamator), zum Beispiel, bläht ihren Körper auf, indem sie ihr Gefieder sträubt, und schnappt auch mit dem Schnabel zu, um den Räuber zu vertreiben.

Kaninchenkauz – Foto: suju-foto auf Pixabay

Die meisten Eulen sind nachtaktiv. Einige Arten, wie z. B. der Brasilzwergkauz (Glaucidium brasilianum), sind frühmorgens oder in der Abenddämmerung aktiv, andere, wie zum Beispiel der Kaninchenkauz (Athene cunicularia) sind tagsüber auf der Jagd. Während des Tages dösen die Nachteulen in ihren Nestern oder verstecken sich im Laub der Bäume, wo sie manchmal von Drosseln und Kolibris entdeckt werden. In diesen Fällen geben die Singvögel (vor allem Sperlingsvögel), in der Regel Alarmrufe von sich und führen auch aggressive Flüge gegen die Eule durch, bis diese von dem Ort weggescheucht wird. Einige Eulenarten nutzen dieses Mobbingverhalten allerdings aus, um einen der Verfolger zur Strecke zu bringen.

Bedrohungen und Schutz

In den meisten Listen gefährdeter Arten werden Eulen als „Arten mit unbekannten Daten“ eingestuft, oder sie fehlen schlichtweg, was den Mangel an Informationen über ihre Biologie und Verbreitung widerspiegelt und es unmöglich macht, ihren tatsächlichen Erhaltungszustand zu bestimmen. Die meisten Ursachen für die nicht natürliche Sterblichkeit dieser Vögel sind wahllose Bejagung, Stromschläge, Vergiftungen, Kollisionen, Überfahren durch Autos und Unfälle mit Stacheldrahtzäunen.

Die Hauptursache für den möglichen Rückgang der Eulenpopulationen ist jedoch wahrscheinlich die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums, insbesondere der Wälder. Eulen sind Raubvögel, und sie reagieren daher empfindlicher auf Umweltveränderungen als Tiere, die andere Positionen in der Nahrungskette einnehmen.

Historische und gegenwärtige Mythen über Eulen

Alte Überzeugungen, Vorurteile und mangelnde Informationen tragen wesentlich dazu bei, dass ein Teil der Bevölkerung immer noch kein Verständnis für Eulen hat. Auf diese Weise werden viele Eulenarten zu Unrecht ausgerottet, denn alle diese Geschichten sind falsch.

Eulen in der Mythologie – Foto: vishnu vijayan auf Pixabay

Eulen haben jedoch schon immer die menschliche Neugier und Fantasie geweckt. Sie sind praktisch in allen Regionen der Erde zu finden, nur auf einigen isolierten Inseln und in den extrem kalten Gebieten der Erde fehlen sie. Daher ist es verständlich, dass alle Völker an verschiedenen bewohnten Orten, und in verschiedenen zeitlichen Stadien der Zivilisationen, von der Existenz dieser Vögel wissen oder wussten.

Eulen und Menschen sind seit Anbeginn der Geschichte miteinander verbunden. Es gibt Aufzeichnungen über Eulen auf Höhlenmalereien in Frankreich, die 15 bis 20 Tausend Jahre zurückreichen. Sie kommen auch in ägyptischen Hieroglyphen vor. Sie haben in der Kultur eine Vielzahl von symbolischen Rollen übernommen und stehen oft für Wohlstand, Weisheit und Philosophie. Aufgrund ihrer nächtlichen Gewohnheiten, ihrer klagenden Lautäußerung, ihrer Morphologie und ihrer unglaublichen Jagdfähigkeiten, wurde ihre Anwesenheit jedoch verschiedentlich mit dem Mysteriösen, dem Unbekannten in Verbindung gebracht und als Symbol von Pech, Tod und Unglück, sowie als verfluchte Wesen wie Hexen und Dämonen, verunglimpft.

Es gibt eine Fülle von Legenden über Eulen, und die Realität ist ebenso erstaunlich wie die Folklore, die sie inspiriert hat. In Europa galten sie als Hexen in Tiergestalt – und um das Böse, das sie angeblich verursachten, abzuwehren, wurden sie an den Füßen an Bäume gebunden und so dem Tod überlassen. In England gab es den Brauch, eine Schleiereule (Tyto alba) an ein Scheunentor zu nageln, um das Böse abzuwehren – ein Brauch, der sich bis ins frühe 19. Jahrhundert erhalten hat. In Schottland und Irland glaubte man, dass, wenn eine Eule dreimal in aufeinander folgenden Nächten auf einem Fenstersims landete, dies eine Warnung vor dem baldigen Tod war, und wenn das Streuen von Salz auf das Feuer den Vogel nicht zum Schweigen brachte, war der Tod unausweichlich.

Im alten Rom war das Rufen einer Eule ebenfalls ein Zeichen für den bevorstehenden Tod. Der Legende nach wurde der Tod von Julius Caesar, Augustus, Aurelius und Agrippa von einer Eule angekündigt. Während die Griechen glaubten, dass der Anblick einer Eule ihren Armeen den Sieg voraussagte, sahen die Römer darin ein Zeichen der Niederlage.

Im antiken Griechenland war sie die Gefährtin der Göttin Athene, der Göttin der Prophezeiung, der Weisheit und des Hellsehens. Sie galt als Beschützerin der Handwerker und aller Menschen, deren manuelle Arbeit von Intelligenz geleitet wurde. Die Nacht galt als philosophischer Moment und intellektuelle Offenbarung, und die Eule, die nachtaktiv ist, wurde zum Symbol für die Suche nach Wissen. Aufgrund ihrer Verbindung mit der Göttin Athene wurde die Eule in der Stadt Athen unter Schutz gestellt.

Ihre Symbolik wurde von den griechischen Armeen während der Kriege als Inspiration übernommen. Sie war in der Gesellschaft und im Handel von großer Bedeutung, weil sie Klugheit und Reichtum symbolisierte und wurde sogar auf der Rückseite von zwei Silbermünzen abgebilde.. Die Eule, die Athene repräsentierte, war der Steinkauz (Athene noctua), der in der Stadt weit verbreitet und auf der Akropolis leicht zu finden war.

In vielen afrikanischen Ländern wird die Eule mit Magie und Zauberei in Verbindung gebracht. Eine große Eule, die um das Haus herumschwirrte, deutete darauf hin, dass dort ein mächtiger Schamane lebte. In Ostafrika glaubten die Suahelis, dass diese Vögel Krankheiten auf Kinder übertragen. In Indien verwendete man Eulenfleisch zur Heilung rheumatischer Beschwerden, und ihre Federn wurden in Kopfkissen gestopft, um unruhige Kinder zu beruhigen.

In China assoziierten manche Menschen die Eulen mit Blitzen, deshalb fertigten sie Eulenbilder (kleine Statuetten) an und verteilten sie im Haus, um sich vor Blitzen zu schützen. Die Blakistoni-Eule (Bubo blakistoni) ist eine der wichtigsten Gottheiten des in Hokkaido, Japan, beheimateten Ainu-Volkes. Sie wird „Kotan kor Kamuy“ genannt, was „Gott, der das Dorf verteidigt“ bedeutet. Bei den “Ainu“ war es Brauch, hölzerne Statuetten anzufertigen und sie an Türen zu nageln, um Hungersnöte und Seuchen abzuwehren.

Im Nahen Osten wird die Eule mit Zerstörung, Verderben und Tod in Verbindung gebracht. Es wird angenommen, dass sie die Seelen von Menschen darstellt, die gestorben sind und nicht gerächt wurden. Der Anblick einer Eule auf dem Weg in die Schlacht kündigt ein blutiges Gemetzel mit vielen Toten und Verwundeten an. Andererseits sagt eine Eule im Haus eines Menschen dessen Tod voraus. Dagegen von einer Eule zu träumen, kann ein gutes Zeichen sein, solange man ihre Rufe nicht hört. In der polnischen Folklore werden Frauen, die unverheiratet sterben, zu Tauben, während verheiratete Frauen nach ihrem Tod sich in Eulen verwandeln.

Die Mystifikation der Eulen war bei den alten nordamerikanischen Indianerstämmen sehr unterschiedlich. Einige Stämme glaubten, Eulen seien Boten von Krankheit und Tod. Andere Stämme hielten sie für Schutzgeister, während wieder andere glaubten, sie seien Seelen der Lebenden oder kürzlich Verstorbener und sollten mit Respekt behandelt werden. Es gab auch Menschen, die Eulen für Inkarnationen ihrer Götter hielten. Die Hopi-Indianer zum Beispiel glaubten, dass der Kaninchenkauz (Athene cunicularia) ihr Totenengel sei.

Jucurututu (Virginia Uhu) – Foto: Klaus D. Günther

In Brasilien betrachteten einige Ureinwohner die Eulen als heilige Vögel, weil sie glaubten, dass sie dem Stamm Glück bringen. Im Norden des Landes betrachteten die älteren Caboclos den Brasilzwergkauz (Glaucidium brasilianum) als Glücksvogel und verwendeten die Federn des Vogels als Amulette. In einigen Dörfern des Amazonasgebietes glaubt man, dass der Brillenkauz (Pulsatrix perspicillata) eine reuige Seele ist, die für die bösen Taten in ihrem Leben bestraft wird und dazu verdammt ist, in Form einer Eule durch die Wälder zu streifen, und niemand traut sich ihr zu nähern oder ihren Weg zu kreuzen.

Heutzutage lieben viele Menschen die Eulen. Viele Hochschulen und Lehrer haben eine Eule zu ihrem Symbol gemacht und den Vogel mit Toga, Umhang und einem Diplom unter den Flügeln, populär gemacht. Filme wie Harry Potter und Zeichentrickfilme wie „Die Legende der Wächter“ haben zusammen mit der Popularisierung des Internets und dem leichten Zugang zu Informationen, sowie dem Fortschritt der Forschung, dazu beigetragen, das positive Image der Eulen als wunderbare, freundliche und für die Natur wichtige Vögel deutlich zu verbessern.

Dagegen kann man oft von älteren Menschen, indigenen Stämmen oder von Landbewohnern hören – die außerhalb der Stadt isoliert leben – dass Eulen den Tod ankündigen und Unglück bringen. Einer der populärsten Aberglauben in Brasilien betrifft die Amerika-Schleiereule (Tyto furcata). Manche Menschen glauben, dass die “Suindara“ (wie sie in Brasilien genannt wird) den Tod ankündigt, wenn sie über das Haus eines Kranken fliegt oder auf dessen Dach landet und so den Tod anlockt. Leider erzeugen solche Geschichten eine Menge Abneigung, Vorurteile und Angst. Infolgedessen werden viele Arten aufgrund von Vorurteilen verachtet, verfolgt oder sogar ausgerottet.

Alle diese „seltsamen Kräfte“ der Eulen sind lediglich Anpassungen, die ihr Überleben sichern. Es stimmt, dass Eulen oft verlassene Häuser und Kirchen bewohnen. Die Erklärung dafür ist, dass diese Orte sichere Zufluchtsorte vor der unerbittlichen Jagd durch Menschen und andere Raubtiere sind. Es ist auch eine Tatsache, dass ihre Anwesenheit manchmal in der Dunkelheit durch ein seltsames phosphoreszierendes Licht angezeigt wird, was auf das Vorhandensein von leuchtenden Pilzen im morschen Holz ihrer Nester zurückzuführen ist, die an ihren Federn haften.

Ihre großen Augen dienen dazu, die Effizienz der Nachtsicht zu erhöhen. Sein scharfes Gehör hilft dem Vogel, Beute durch Geräusche aufzuspüren. Sein lautloser Flug ist auf seine speziell geformten Federn zurückzuführen, die es ihm ermöglichen, sich unbemerkt seiner Beute zu nähern. Seine klagenden Laute dienen der Kommunikation mit Artgenossen oder der Vertreibung von Konkurrenten aus ihrem Revier.

Es scheint klar zu sein, dass einige verhaltensbedingte und ökologische Aspekte von Eulen, die mit kulturellen Fragen zusammenhängen, für das negative Image dieser Vögel in einem Teil der Gesellschaft und für die Entstehung vieler falscher Vorstellungen über sie, verantwortlich sind.

Eine der großen Herausforderungen unserer Zeit ist es, den Umweltschutz mit den Bedürfnissen und der Kultur der lokalen Bevölkerung in Einklang zu bringen, deren Lebensunterhalt manchmal direkt von den natürlichen Ressourcen abhängt. Eulen brauchen mehr denn je unser wachsames Auge als Wissenschaftler und als Bürger!

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AutorIn: Klaus D. Günther

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