Mangroven – ein schützenwertes Ökosystem mariner Fauna

Zuletzt bearbeitet: 31. Oktober 2021

Mangroven sind ein küstennahes Ökosystem im Übergang zwischen terrestrischer und mariner Umwelt, das für tropische und subtropische Regionen charakteristisch ist und vom Gezeitenregime abhängt. Mangroven kommen in geschützten Küstenregionen vor und bieten günstige Bedingungen für die Ernährung, den Schutz und die Fortpflanzung zahlreicher Tierarten. Sie gelten als wichtige Umwandler von Nährstoffen in organisches Material.

Mangroven – Foto: Klaus D. Günther

In Brasilien gibt es 10.000 bis 25.000 km² Mangroven, während weltweit 162.000 km² dieses Ökosystems existieren. Dieser Küstenstreifen erstreckt sich in Brasilien vom Kap Orange in Amapá, bis zur Laguna in Santa Catarina. Die Mangroven sind in dem Gebiet zwischen den Wendekreisen von Krebs und Steinbock (23° und 27° N und 23° und 27° S) am stärksten entwickelt. Gelegentlich erstrecken sie sich bis zu Breitengraden von etwa (32ºN und 39ºS), wo sie sich aufgrund des strengeren Klimas weniger stark entwickeln.

Die größte strukturelle Entwicklung der Mangroven findet in der Nähe des Äquators statt. Mangroven bilden ein Ökosystem, das eine hohe Produktivität aufweist und ein günstiges Umfeld bietet für das Wachstum und Überleben der ersten Phasen des Lebenszyklus von Meerestieren.

Von allen Ökosystemen sind die Mangroven eines der produktivsten und auch die, die am stärksten von den Auswirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung und dem übermäßigen Wachstum der menschlichen Populationen gefährdet sind. Die im Wasser schwebenden Teilchen, welche hauptsächlich aus Mangrovenblättern bestehen, bilden die Nahrungsgrundlage für vielerlei Arten von Krebsen, Krabben, Garnelen und Fischen.

Aufgrund ihrer Schutz-, Fortpflanzungs- und Wachstumsbedingungen sind Mangroven hochproduktive Ökosysteme von bedeutendem kommerziellem Wert.

Brasiliens Carangejo-Fischer – Foto: Klaus D. Günther

Mangroven erfüllen jedoch auch noch weitere Funktionen, die von großem Nutzen für die Gemeinschaft betrachtet werden können – zum Beispiel schützen sie die Küsten vor Stürmen und Erosionen, sie filtern Schadstoffe aus Sedimenten, die von den einmündenden Flüssen mitgeführt werden, was der Pflege und Erhaltung der Fischbestände in den Küstengebieten
zugutekommt.

Charakteristika dieser Pflanzen

Zunächst einmal müssen wir den Unterschied zwischen „Mangroven“ und “Mangroven-Sumpf“ klären. Der Begriff Mangroven wird für eine Vielzahl von tropischen Küstenwäldern verwendet – Gemeinschaften tropischer Flora, die von verschiedenen Pflanzenarten, Bäumen oder Straucharten dominiert werden, die auf Böden mit hohem Salzgehalt wachsen können.

Der Begriff „Mangrove“ stammt von dem malaiischen Wort „manggimanggi“ und dem englischen “Mangrove“, zur Beschreibung jener Pflanzenarten, welche die arboreale Vegetation der Küsten vorwiegend bestimmen. Sie alle weisen strukturelle und physiologische Anpassungen auf, um in diesem Umfeld zu überleben – in einem Boden, der wenig verdichtet, wenig sauerstoffhaltig ist und häufig von den Gezeiten überflutet wird.

Die Hauptgründe für die Bedrohung der brasilianischen Mangroven sind:

  • Die Abholzung für industrielle und städtische Expansion und der Hafenausbau;
  • mögliche Nutzung für Aquakultur;
  • die Umweltverschmutzung, Umweltunfälle und die Immobilienspekulation;
  • Flächen für die Landwirtschaft; Verseuchung durch Schwermetalle; Raubfischerei und die
  • Verschmutzung durch Sanitärabwasser.

Der Salzgehalt

Der hohe Salzgehalt, dem der Boden ausgesetzt ist, und sein geringer Sauerstoffgehalt, machen die Mangroven zu einem sehr speziellen Ökosystem, dessen Anpassung seiner pflanzlichen Bestandteile ungewöhnliche Voraussetzungen erfordert. Dies wiederum Verringert die entsprechende Flora auf einige wenige Arten, die besonders gut an die besonderen Bedingungen angepasst sind, und damit auch die lokale Tiervielfalt.

Der Salzgehalt des Bodens ist ein Parameter von großer Bedeutung, da er sich auf die Pflanzenentwicklung, die Baumhöhe und den Blattverlust auswirkt. Die in Mangroven vorkommenden Pflanzenarten sind sogenannte Halophyten, die in salzhaltiger Umgebung beheimatet sind – obwohl diese Pflanzen auch in salzfreien Umgebungen wachsen können.

Mangroven Ebbe – Foto: Klaus D. Günther

Die Gezeiten sind der wichtigste Mechanismus für das Eindringen von Salzwasser in die Mangroven. Diese periodischen Überschwemmungen machen das Substrat günstig für die Besiedlung der Mangrovenvegetation, da sie Pflanzen ausschließt, die nicht über deren Anpassungsmechanismen verfügen, um der Anwesenheit von Salz zu widerstehen. Der Abstand des Eindringens von Salzwasser bestimmt die Grenze der Mangroven zum Land hin, die sich über Dutzende von Kilometern in Richtung von Mündungen der großen Flüsse
erstrecken können.

Der Boden

Er ist weich und reich an sich zersetzenden organischen Stoffen, wie Blätter, Zweige und tierische Überreste. Infolgedessen ist er sauerstoffarm, Er wird von Zersetzungsbakterien genutzt, die in Abwesenheit des Sauerstoffs Schwefel verwenden, der für den charakteristischen Geruch der Mangrovenregion verantwortlich ist.

Der mineralische Teil des Bodens entsteht aus den Zersetzungsprodukten von Gesteinen unterschiedlicher Natur, vulkanischem, granitischem oder sedimentärem Material, verbunden mit den Pflanzen und tierischen Überresten, die durch Wellen und Winde von außen in den Biotop der Mangroven gebracht werden.

Das Klima

Obwohl es sich um ein tropisches Ökosystem handelt, kann es auch in gemäßigten Klimazonen vorkommen, die in der Regel durch andere, besser geeignete Ökosystem ersetzt werden, die eher für hohe Breitengrade geeignet sind.

Temperaturen und Niederschläge mit idealen Bedingungen für die Entwicklung von Mangroven sind:

  • Durchschnittstemperaturen über 20° C;
  • Durchschnittliche Mindesttemperaturen nicht unter 15° C;
  • Jährliche thermische Amplitude weniger als 50° C;
  • Niederschläge über 1.500 mm/Jahr, ohne längere Trockenperioden.

Die Mangroven werden über ihre gesamte Ausdehnung von einer Vielzahl an Tieren bewohnt, von mikroskopisch kleinen Formen bis hin zu Fischen, Vögeln, Reptilien und Säugetieren. Einige von ihnen bewohnen nicht nur Mangroven, sondern besetzen das Sediment oder Wasser, andere besetzen die Wurzeln und Stämme bis in die Baumkronen. Diese Tiere stammen aus der terrestrischen, marinen und Süßwasser-Umgebung und leben in den Mangroven als Residenten oder als regelmäßige und opportunistische Besucher.

Fauna und Flora

In den Mangroven leben verschiedene Arten wie Krebse, “Guayamum“ und “Aratu“. Auch Austern und Muscheln sind in den Mangroven zu finden. und die ernähren sich durch das Herausfiltern kleiner Pflanzenteile aus dem Wasser. Aus diesem Grund werden sie als „natürliche Filtrierer“ bezeichnet. Die Krebse tragen durch das Graben ihrer Löcher zur Durchlüftung des Bodens bei.

Auch die Mollusken, die sich in den Mangroven festsetzen, sind von großer Bedeutung. Sie ernähren sich von Mikroorganismen und unterstützen die natürliche Erneuerung des Ökosystems. Die Jungfische werden in diesem Ökosystem geboren und entwickeln sich dort. Bei Ebbe ernähren sich die Vögel gern von Fischen Krebstieren und Mollusken aus den Mangroven.

Einblick Mangroven Landschaft – Foto: Klaus D. Günther

In diesem Ökosystem leben auch Säugetiere, wie der Nasenbär, der sich von Krebsen ernährt, der Otter, der ein geschickter Fischer ist, und der Waschbär, der die Krabben bevorzugt. Viele Vogelarten nisten in den Bäumen der Mangroven. Der Große Brachvogel stammt aus der nördlichen Hemisphäre, er lebt in den Vereinigten Staaten und Kanada und wandert im Winter in wärmere Gebiete ab – zum Beispiel nach Brasilien, wo er sich in den Mangrovensümpfen ausruhen und ernähren kann.

Mangroven haben viel zu bieten – auch als ein sehr wichtiges Ökosystem für die handwerkliche Fischerei von Garnelen, Krebsen und Mollusken – sie sind eine der bedeutendsten Lebensgrundlagen für die Küstenbewohner. Eine Umfrage zeigt, dass die 59 Arten von Krustentieren, 33 Arten von Weichtieren, 185 Arten von Vögeln und 86 Fischarten in den brasilianischen Mangroven existieren.

Von besonderer Bedeutung für die Mangroven sind die wirbellosen Tiere, das erste Glied in der Nahrungskette – sie verzehren Teile der Vegetation, Algen, organischen Abfall und Mikroorganismen, und sie werden auch von anderen Individuen, sowie von Menschen, als Nahrung genutzt. Die Krebse, Symbole des Mangrovensumpfes, präsentieren die größte Artenvielfalt der Wirbellosen. Sie haben vielfältige Fressgewohnheiten und ernähren sich von Blättern und anderen Pflanzenteilen, von Fischen und Mikroorganismen.

Unter den brasilianischen Mangroven dominieren drei Pflanzenarten, welche aufgrund ihres scheinbar einheitlichen Erscheinungsbildes in jeder Region den volkstümlichen Namen “Mangue“ (Mangrove) erhalten haben.

  • Rhizophora mangle (Rote Mangrove);
  • Laguncularia racemosa (Weiße Mangrove).
  • Avicennia schaueriana (Schwarze Mangrove);

Im Lauf der Jahrtausende haben die Mangrovenarten physiologische Anpassungen entwickelt, die für die meisten Pflanzen ungünstig sind. Die wichtigsten dieser Anpassungen:

  • Vorhandensein von physiologischen Mechanismen, die eine Filterung oder Ausscheidung von Salz aus dem Innern der Pflanze ermöglichen.
  • Entwicklung von Stützwurzeln oder rhizophoren Wurzeln (Rohrkolben in einigen Regionen) um sich auf dem schlammigen Untergrund festsetzen zu können.
  • Vorhandensein von Luftwurzeln (Pneumatophoren), die aus dem Schlamm in großer Zahl herausragen.
  • Das Vorhandensein von “Lentizellen“ oder kleinen Gruppen von Öffnungspunkten für den Gasaustausch (Anpassungen, die eine bessere Zirkulation der Gase ermöglichen, die in der Pflanze durch ihre spezifische Ernährung entstehen und an ihre Umgebung abgegeben werden.
  • Viviparität – ein Vermehrungsprozess, bei dem die Samen in der Mutterpflanze selbst zu keimen beginnen, bevor sie fallen und durch die Gezeiten verbreitet werden.

Neben diesen Arten, welche die Hauptmerkmale eines Mangrovebestandes darstellen, gibt es noch andere pflanzliche Formen, wie zum Beispiel mehrere Arten von Epiphyten und
Bromelien. Es existieren dort auch verschiedene Arten von Gräsern. Ein Mangrovenbaum braucht etwa fünf Jahre, um „erwachsen“ zu werden, bereit für die Reproduktion. In diesem Stadium kann der Baum eine Höhe von bis zu 20 Metern erreichen.

Es gibt weitere Pflanzengruppen, die hauptsächlich am inneren Rand der Mangroven erscheinen, wie zum Beispiel Farne. Die kommen zwar nicht nur in Mangrovengebieten vor, sind aber tolerant gegenüber dem unterschiedlichen Salzgehalt. Es gibt auch andere Gruppen, die auf den Mangrovenbäumen leben, allerdings nutzen sie nicht die Nährstoffe der Wirtsbäume, wie z. B. die Bromelien, Orchideen und Flechten.

Einblick Mangroven Landschaft – Foto: Klaus D. Günther

Die Forschung hat gezeigt, dass die verschiedenen Arten von Mangrovenbäumen aus den indopazifischen Regionen stammen, da diese eine Vielfalt dieser Arten besitzen. Theorien besagen, dass ihre Migration in andere Regionen der Welt, einschließlich der brasilianischen Küste, vor einigen Tausenden von Jahren durch den Transport von Mangrove-Samen geschah, die in den Meeresströmungen keimten – als die Kontinente noch näher beieinander lagen.

Umweltauswirkungen in Mangrovengebieten

Es ist nicht neu, dass die Beziehung zwischen Menschen und Mangroven gekennzeichnet ist durch einen besorgniserregenden Mangel an Wissen über die universelle Bedeutung dieser Ökosysteme und insbesondere aller existierenden Lebensformen, die an unseren Küsten existieren.

In den letzten 500 Jahren – um einen zeitlichen Bezug zu der Ankunft der Europäer in Brasilien herzustellen – begann die systematische Beseitigung dieses schönen maritimen Waldes aufgrund seiner geografischen Lage, die für die Einrichtung von Häfen und den Ausbau ihrer Infrastruktur, sowie dir Ausbreitung der Städte, sehr günstig war.

Dieser Rahmen dauerte etwa bis Ende der 1960er Jahre, als die Mangroven, akademisch und wissenschaftlich gesehen, eine endgültige Anerkennung der Bedeutung ihres wirtschaftlichen und ökologischen Wertes bekamen. Dies geschah zunächst dank der zahlreichen Veröffentlichungen in mehreren Ländern, die den Energiefluss der Mangroven- Ökosysteme untersuchten – insbesondere nach der Veröffentlichung der Studien über die Nahrungsketten der Mangroven auf der Halbinsel Florida.

Naturereignisse und menschliche Aktivitäten können zur Entfesselung von Faktoren oder Kräften führen, die Veränderungen der physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften der Umwelt beeinflussen, in die auch sozioökonomische Beziehungen einbezogen werden.

Aufgrund der großen wirtschaftlichen Bedeutung der Mangroven werden sie leider täglich durch die menschliche Nutzung geschädigt. Diese ungeordnete Besetzung der Mangrovengebiete ist vor allem auf die Tatsache zurückzuführen, dass diese Standorte günstige Bedingungen für die Ansiedlung von Unternehmen bieten, die in der Regel auf die
Befriedigung privater Interessen abzielen. Es wird geschätzt, dass derzeit weltweit über eine Million Hektar Mangrovenbestand jedes Jahr verloren gehen.

Bedeutung

Wenn wir mit einem Mangroven-Ökosystem in Berührung kommen, sind wir wahrscheinlich fasziniert von diesem scheinbaren Gewirr der verschiedenartigsten Pflanzenformen und den aus dem Schlamm ragenden, gigantischen Luftwurzeln – darüber hinaus wirkt der schwefelige Geruch des uns undurchdringlich scheinenden Dschungels jedoch nicht gerade einladend auf unsere Vorstellungen von einem Tropenparadies.

In der Tat sind das häufig die Gefühle von denen Menschen befallen werden, die zum ersten Mal eine Mangrovenregion besuchen und vorher nichts darüber gewusst haben. Für die Einheimischen, die in einem Mangrovengebiet wohnen und ihren Unterhalt mit dessen Ressourcen bestreiten, sieht die Realität jedoch ganz anders aus.

Carangejo Fischer – Foto: Klaus D. Günther

Einige Küsten- und Flussufergemeinden unterhalten ein Verhältnis großer Abhängigkeit von den Ressourcen, die ihnen die Mangroven bieten. Es gibt ganze Dörfer, die nur mit dem aus diesem Ökosystem gewonnenen Holz gebaut wurden – es wird zum Bau von Häusern und Booten verwendet und dient auch als Brennholz für die Zubereitung ihrer Speisen.

Ein Großteil der Proteine in der Ernährung dieser Bevölkerungsgruppen stammt aus den Mangroven. Die Frauen und Kinder gehen bei Ebbe auf die Suche nach Muscheln – sowohl nach solchen, die sich im Schlamm vergraben, als auch nach Austern- die sich an den Mangrovestämmen festgesaugt haben. Währenddessen fischen die Männer in den geschützten Gewässern der Flussmündungen.

Diese Bevölkerungsgruppen sind arm und erhalten in der Regel keine Unterstützung von staatlichen Stellen. Die Mangroven sind also aus ökologischer und sozialökonomischer Sicht unerlässlich für die Aufrechterhaltung des marinen und terrestrischen Lebens. Etwa 90 % der an unserer Küste gefangenen Fische stammen aus Mangrovengebieten.

Neben dem Schutz der Avifauna, welche die Mangroven als Nahrungs- und Brutstätten, zur Fortpflanzung, Entwicklung und Zuflucht nutzt, halten die Mangroven Nährstoffe zurück und erzeugen mehr Energie, als sie selbst verbrauchen können.

  • Das Vorhandensein der verschiedensten Arten von Erzeugern, macht die Mangroven zu einem Umfeld von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Umwelt.
  • Darüber hinaus spielen Mangroven eine wichtige Rolle als Exporteur von organischem Material in das Flussdelta. und tragen zur Primärproduktivität in der Küstenzone bei. In den Mangroven finden Fische, Weichtiere und Krustentiere die idealen Bedingungen für die Fortpflanzung und als Kinderstube.
  • Die Mangroven dienen als Unterschlupf und Brutplatz für verschiedene Arten von Wasser- und Landlebewesen.
  • Mangroven produzieren über 95 % der Nahrungsmittel, welche die Menschheit aus dem Meer fängt. Ihre Erhaltung ist für den Lebensunterhalt der Fischereigemeinden, die um sie herum leben, unerlässlich.
  • Die Mangrovenvegetation dient aber auch der Verankerung des Landes, verhindert so Erosion und stabilisiert die Küste.
  • Die Wurzeln der Mangroven wirken wie ein Filter, der Sedimente zurückhält – damit stellt er eine wichtige Genbank für die Wiederherstellung degradierter Gebiete dar.
  • Aus den Mangroven werden verschiedene Produkte wie Medikamente, Alkohole, Öle und Gerbstoffe gewonnen – neben Fischen, Weich- und Krebstieren nutzt man diese Küstengebiete auch für die Fisch-, Austern- und Schalentierzucht – und für den Tourismus.

Schutzmaßnahmen

Damit die Ressourcen der Mangroven rational und nachhaltig genutzt werden können, ist es notwendig, dass die Menschen sich um ein besseres Verständnis für das Funktionieren dieses wertvollen Biotops bemüht. Zum Beispiel sollte man den Fang von Krabben und Fischen während ihrer Fortpflanzungszeit vermeiden, sowie alle Unternehmungen die dieser fragilen Umwelt schaden könnten, meiden.

Es ist jedoch nicht nur wichtig zu verstehen, welche Ressourcen uns die Mangroven bieten, sondern auch zu wissen, wie viele Tausende von Leben hängen von ihnen abhängen! Mit der Degradierung dieses Ökosystems werden diese wertvollen Organismen unwiderruflich zum Absterben verurteilt sein – zusammen mit dem Verfall der Populationen, die von ihnen abhängig sind.

Carangejo Fischer – Foto: Klaus D. Günther

Obwohl Artikel 225 des brasilianischem Grundgesetzes jedem das Recht auf eine ökologisch ausgewogene Umwelt garantiert, verpflichtet er die Bevölkerung auch zu ihrem Schutz und ihrer Verteidigung. Das die Küste begrenzende und schützende Ökosystem der Mangroven ist also ebenfalls gesetzlich geschützt gegen jedwede Degradierung – tatsächlich stellt man jedoch fest, dass in vielen brasilianischen Meeresgebieten, einschließlich des Bundesstaates São Paulo, die Mangroven, trotz aller Gesetzesvorschriften stark unter Druck geraten sind.

Durch die Auffüllung für die Stadterweiterung, durch häufige Umweltkatastrophen aufgrund von auslaufendem Öl und die definitive Verschmutzung der Abwässer durch Industrieabfall und Tonnen von Müll, den die Bevölkerung achtlos in die Gewässer werfen – Katastrophen, die katastrophalen Folgen haben, weil die gesetzlichen Vorgaben nicht eingehalten werden.

Die Mangroven, ein gut vertretenes Ökosystem an der brasilianischen Küstenlinie, gilt in Brasilien Land als dauerhaftes Schutzgebiet in mehreren Verfassungen (Bundesverfassung und Landesverfassungen). Die Einhaltung dieser Rechtsinstrumente erfordert auch eine Reihe von Vorschriften für die Nutzung und/oder Maßnahmen in Mangrovengebieten. Tatsache ist leider, dass sie kaum eingehalten werden.

Schlussfolgerung

Brasilien verfügt über eines der größten Mangrovengebiete der Welt, die in der Vergangenheit mit Gelbfieber und Malaria in Verbindung gebracht wurden, Krankheiten, die inzwischen längst ausgerottet sind.

Das Wort Mangrove hat jedoch eine Bedeutung von Unordnung, Schmutz und verdächtigem Ort wegen dieser Assoziation behalten. Lange Zeit galten die Mangroven als unwirtliche Umgebung, durch die ständige Präsenz von Moskitos, Pferdebremsen und Pulvermücken.

Mangroven Landschaft bei Ebbbe – Foto: Klaus D. Günther

Das dunkle, schlammige Ambiente ohne ästhetische Eigenschaften, verseucht von lästigen Insekten, führte dazu. dass man in der Mitte der 1970er Jahre, die Entwicklung der Meeresküste zur Schaffung von sauberen Stränden, sanierten Mülldeponien, betonierten Häfen und der Konstruktion von Küstenstraßen und Touristenhotels nutzte – wozu man verschiedene Mangrovensümpfe trockenlegte und damit den Mangrovenbestand stark dezimierte.

Aus unseren Ausführungen lässt sich schließen, dass die Mangroven ein besonderes und einzigartiges Ökosystem darstellen, mit einer grundlegenden Bedeutung für die Produktion von tierischem Leben – hauptsächlich im Meer – und dass sie für die wissenschaftliche Welt als “Kinderstube des Lebens“ gelten. Leider sind die Mangroven trotz der gesetzlichen Schutzbestimmungen, die am stärksten bedrohten Küstenökosysteme.

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AutorIn: Klaus D. Günther

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