Der Essighund – kaum bekannt und selten beobachtet

Zuletzt bearbeitet: 8. Dezember 2023

Der mit den Hunden verwandte Speothos venaticus ist ein äußerst scheues Tier, dessen Verhalten der Wissenschaft praktisch unbekannt ist, und er wurde von Forschern bisher im allgemeinen als „Gespenst“ betrachtet. 1842 hatte ihn der Däne Peter Lund beschrieben, der als Vater der brasilianischen Paläontologie gilt. Die letzten offiziellen Meldungen aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais bestanden bis vor kurzem allerdings nur aus Fußabdrücken und zwei toten Exemplaren.

Cachorro-vinagre – Foto: Screenshot Video

Dann wurde endlich ein lebendes Exemplar im Nationalpark “Veredas do Peruaçu“, im Norden des Bundesstaates, gefilmt. Möglich wurde dies durch Kamerafallen, die von Wissenschaftlern aufgestellt worden waren – sieben Jahre lang hatten diese versucht, die Art in der Region zu registrieren.

Der Essighund hat ein dunkelbraunes Fell, einen langgestreckten Körper von bis zu 70 cm, mit kurzen Beinen und Ohren, und er wiegt circa 5 Kilo. Sein Urin hat einen starken Essiggeruch – daher auch der Name. Er kommt im Cerrado, im Atlantischen Regenwald und in Amazonien vor und ist einer der kleinsten und geselligsten Caniden Südamerikas, da er in Familiengruppen von bis zu zehn Tieren lebt.

Dies befähigt die Gruppe auch zur Jagd auf große Beute. Solches Verhalten ist bei anderen Caniden, wie dem Mähnenwolf oder dem Fuchs, nicht zu beobachten.

Der Essighund, oder “Cachorro-do-mato“, wie er im brasilianischen Sprachgebrauch genannt wird, war einst im ganzen Land verbreitet, ist aber inzwischen fast überall gefährdet – auch im Bundesstaat Minas Gerais ist er vom Aussterben bedroht. Die Abholzung der Wälder, Konflikte mit der Bevölkerung, Angriffe und Übertragung von Krankheiten durch Haustiere, sind seine Hauptfeinde.

Daher ist es wichtig, Schutzgebiete zu erhalten, die mit ökologischen Korridoren verbunden sind, die Rechtsvorschriften in ländlichen Gebieten einzuhalten und auf die Gesundheit der Haustiere im gesamten “Peruaçu-Tal“ zu achten, wo die Tiere beobachtet wurden.

Die Region ist Teil des “Sertão Veredas-Peruaçu-Mosaiks“ von Schutzgebieten, welches fast 2 Millionen Hektar im Norden von Minas Gerais und im Südwesten von Bahia umfasst. Die Aufzeichnung dieser seltenen Art verdeutlicht die wichtige Rolle der Schutzgebiete, insbesondere im Cerrado, wo bisher weniger als 3 % der Fläche von den Behörden effektiv geschützt werden.

Die neuen internationalen Ziele für die Erhaltung der biologischen Vielfalt sehen vor, dass mindestens 17 % von jedem terrestrischen Biom als Schutzgebiete ausgewiesen sein sollten.

Geografische Verbreitung

Speothos venaticus ist der kleinste der brasilianischen Caniden: er kommt in Südamerika von Panama bis Argentinien vor und wurde auch in Französisch-Guayana, Venezuela, Ecuador, Peru und Paraguay nachgewiesen. In Brasilien hat man, Berichten zufolge, diese Art in den Biomen Amazonas, Cerrado, Atlantischer Regenwald, Pantanal und Caatinga. entdeckt.

Am ersten Oktober 2016 wurde ein männliches Jungtier von Anwohnern in “Campos Novos Paulista“, Bundesstaat São Paulo, in einem Zuckerrohranbaugebiet tot aufgefunden. Die Todesursache ist unbekannt, aber das Jungtier wurde einen Tag nach der Ernte gefunden, und es ist möglich, dass es von einem Fahrzeug überfahren wurde.

Biologische Aspekte

Der Essighund ist ein kleiner, tagaktiver Canide, etwa 30 cm groß, 60 cm lang und 5 bis 7 kg schwer. Das Fell, das den ganzen Körper bedeckt, ist rotbraun und der relativ kurze Schwanz ist braun. Der Kopf ist quadratisch, mit kleinen Ohren, und die Pfoten sind kurz.

Die Finger mit starken Krallen sind durch Interdigitalmembranen verbunden, die ihnen das Schwimmen erleichtern. Sie sind auch große Graber, die mit ihren Krallen Gänge in den Boden graben und sich zum Schlafen in selbst gegrabene Höhlen, Gürteltierbaue und Baumlöcher zurückziehen.

Cachorro-vinagre – Foto: Screenshot Video

Unter den brasilianischen Caniden ist der Essighund der Einzige, der in Gruppen jagt, was es ihm ermöglicht, viel größere Beute zu erlegen. Sie sind ausschließlich Fleischfresser. Aufgrund ihrer halb-aquatischen Lebensweise kann er seine Beute sowohl an Land als auch im Wasser erlegen. Forscher haben beobachtet, dass sich ein Teil der Gruppe in bestimmten Situationen aufteilt, um die Beute an Land zu verfolgen, während der andere Teil der Gruppe ins Wasser geht.

Dank dieser Spezialisierung gelingt es ihnen, ein Agouti (Agouti paca) zu fangen und zu töten, das seinerseits dazu neigt, im Wasser zu fliehen. Auch ihre Jagd auf einen 250 Kilo schweren Tapir (Tapirus terrestris) wurde bereits dokumentiert. Im Pantanal und Cerrado ist die Hauptbeute das Gürteltier (Dasypus novemcinctus).

Einige Forscher behaupten auch, dass die Hauptbeute der Essighunde aus dem Paca und anderen mittelgroßen Nagetieren bestehe – auch die Wasserschweine (Hydrochoerus hydrochaeris) sind ihnen nicht zu groß und werden von der Gruppe erlegt. Sie fressen aber auch Vögel, Amphibien und kleine Reptilien.

Verhalten

Sie können sich in Familien- und Hierarchierudeln von 4 bis 10 Individuen zusammenfinden. Ihre Sozialstruktur der Gruppen ist wie bei den Grauwölfen stark hierarchisch, und die Gruppenmitglieder verständigen sich untereinander durch Bellen.

Historisch gesehen wurde die Art überwiegend als “Waldart“ betrachtet und auf wenig gestörte Umgebungen beschränkt. Jüngste Daten zeigen jedoch, dass die Tiere auch offene, geschützte Flächen in gleichem Maße nutzen können, wie Gebiete, die weit entfernt von Wasserläufen liegen.

Studien weisen auch darauf hin, dass die Art an Standorten mit einem erheblichen Anteil an “gestörten Flächen“ gefunden werden kann, dass die Tiere in diesen Fällen aber ausschließlich die erhaltenen Bereiche der Matrix nutzen. Der geschätzte Aktionsradius einer Gruppe von drei bis sieben Individuen in einer relativ gut erhaltenen Cerrado-Region (mehr als 2/3 der Fläche mit einheimischer Vegetation) betrug 140 km².

Bei einer Gruppe von sieben bis zehn Individuen in einem stark anthropisierten Gebiet (weniger als 1/3 der ursprünglichen Vegetation) wurde das Verbreitungsgebiet auf 685 km² geschätzt.

Fortpflanzung

Eine Gruppe besteht aus mehreren monogamen Paaren und den Nachkommen des dominanten Paares. Wie der Haushund hat auch der Essighund zwei Läufigkeitsperioden im Jahr, die je nach Region, in der er lebt, variieren. Die Trächtigkeit dauert durchschnittlich 65 Tage und führt zu einem Wurf von 4 bis 6 Jungtieren, die in Höhlen geboren und von den Erwachsenen gefüttert werden, bis sie fünf Monate alt sind.

Die Geschlechtsreife wird mit 12 Monaten erreicht und die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 10 Jahre. Es wird angenommen, dass sich die Weibchen in freier Wildbahn erst im Alter von vier Jahren fortpflanzen.

Cachorro-vinagre – Foto: Screenshot Video

Bedrohungen

Die Abholzung der Wälder, die Verdichtung des Lebensraums durch den Menschen aufgrund des unkontrollierten Wachstums der städtischen Zentren und der Zunahme menschlicher Aktivitäten (vor allem Landwirtschaft und Viehzucht) in den Gebieten, in denen die Art vorkommt, haben zu negativen Auswirkungen auf die Erhaltung des Essighundes geführt.

Die drastische Verringerung der für die Erhaltung der Populationen idealen Lebensräume wurde daher als eine der größten Bedrohungen für die Populationen dieser Art identifiziert. Darüber hinaus begünstigt das Wachstum der städtischen Zentren die Annäherung der Art an Haustiere, was zu einer Zunahme von Krankheiten wie Tollwut, Parvovirose und Räude in den Wildpopulationen, sowie durch die Bejagung durch Menschen und Angriffe von Haushunden führt.

Die Jagd der Menschen auf ihre Beutetiere wird ebenfalls als erhebliche Bedrohung für die Populationen der Wildhunde angesehen, weil sie sich negativ auf ihre Überlebenschancen in den von ihnen beanspruchten Lebensräumen auswirkt. Ein weiterer negativer Faktor ist die Ausweitung des Straßennetzes infolge des Wachstums der städtischen Zentren, wodurch die Zahl der überfahrenen Tiere in verschiedenen Regionen ihres Verbreitungsgebiets zunimmt.

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