Gralha-azul

Zuletzt bearbeitet: 22. August 2023

Der brasilianische Azurblaurabe (Gralha-azul) ist ein Vogel aus der Familie Corvidae. Der Vogel gilt als das Symbol des Bundesstaates Paraná und ist auch das Maskottchen des “Paraná Clube”, einer bedeutenden und sehr beliebten Fußballmannschaft aus der dortigen Hauptstadt Curitiba.

Gralha-azul – Foto: sabiá brasilinfo

Sein wissenschaftlicher Name Cyanocorax caeruleus bedeutet „intensiv blauer oder himmelblauer Rabe“. Der etwa 40 Zentimeter lange Vogel ist ungewöhnlich intelligent, mit einer komplexen Kommunikation, der in hierarchisch gut organisierten Schwärmen lebt. Sein natürlicher Lebensraum ist der Araukarienwald. Indem er die Kerne dieser Bäume vergräbt, um sich einen Vorrat anzulegen, ist er ein nützlicher Verbreiter dieser Baumspezies.

In einer Volksabstimmung in den Gemeinden Timbé do Sul und São José dos Ausentes – beide im Bundesstaat Rio Grande do Sul – wurde der Vogel zum Maskottchen der Umsetzungs- und Pflasterungsarbeiten der Bundestraße “BR-285/RS/SC” gewählt und damit zu einem Inbegriff nachhaltiger Praktiken in der Umwelterziehung und sozialer Kommunikationsaktivitäten.

Geographische Verbreitung

Sein natürlicher Lebensraum sind die Araukarienwälder im Süden Brasiliens. Wegen der zunehmenden Nahrungsknappheit in dieser Region – die Araukarienwälder in Südbrasilien nehmen immer mehr ab durch die sich ausbreitende Agrarwirtschaft – haben sich die Vögel inzwischen vom Bundesstaat Rio Grande do Sul bis in den südlichen Teil des Bundesstaates Rio de Janeiro verbreitet. Man sieht sie häufig im Atlantischen Regenwald der Gebirgskette “Serra do Mar”.

Merkmale

Der Azurblaurabe misst etwa 40 Zentimeter in der Länge. Sein vorherrschendes Federkleid ist leuchtend blau. Der Kopf, die Vorderseite des Halses und der obere Teil der Brust sind schwarz. Es gibt keinen Sexualdimorphismus, aber die Weibchen sind normalerweise etwas kleiner.

Azurblauraben bilden Schwärme von 4 bis 15 Individuen, die hierarchisch gut organisiert sind. Es gibt sogar Clan-Teilungen, mit Schwärmen, die bis zu zwei Generationen lang stabil bleiben. Diese soziale Organisation, die auf Familiengruppen basiert, ermöglicht es den Küken aus dem vorherigen Wurf, bei ihren Eltern zu bleiben und mit ihnen zusammen ihre “Geschwister” aufzuziehen.

Ernährung

Sie sind Allesfresser, das heißt, sie fressen praktisch alles. Sie ernähren sich von Insekten, Amphibien, Eidechsen, Eiern und Küken anderer Vögel, Früchten, Kernen, Beeren und menschlichen Nahrungsresten wie Brot, Keksen und Reis.

Es wird angenommen, dass der Vogel für die Verbreitung der Samenkerne des Araukarienbaums (Araucaria angustifolia) verantwortlich ist, da er sie vergräbt, um sich einen Nahrungsvorrat anzulegen – die Kerne werden aber oft nicht sofort gefressen und keimen gelegentlich, wenn sie während des Transports verloren gehen oder bei der Lagerung in alten Baumstämmen oder in Büschen vergessen werden – so begünstigen sie das Wachstum neuer Bäume.

Gralha-azul mit Araukarienzapfen – Foto: Screenshot Video

Fortpflanzung

In der Fortpflanzungszeit, die im Oktober beginnt und bis März andauert, widmen sich beide Geschlechter dem Nestbau. Die Nester werden auf den Wipfeln der Bäume angelegt, vorzugsweise in der Krone von Araukarien. Das Nest besteht aus gesammelten, trockenen Zweigen, es hat einen Durchmesser von etwa 50 Zentimetern und die Form eines Bechers. Da hinein legt das Weibchen durchschnittlich 4 kleine, blau-weiße Eier.

Legende – erste Version

Vor langer Zeit war er nur ein einfacher, schwarzer Vogel, so wie die anderen seiner Art. Aber eines Tages beschloss er, Gott zu bitten, ihm eine Aufgabe zu geben, die ihn nützlich und bedeutend machen würde. Also gab Gott ihm einen Araukarienzapfen, dessen Kerne der Vogel mit seinem spitzen Schnabel herauspickte – er fraß jedoch nur einen Teil der zahlreichen Kerne, wollte sie für später aufheben und vergrub sie in der Erde. Ein paar Tage vergingen, und er hatte die Stelle vergessen, wo er den Zapfen mit den restlichen Kernen vergraben hatte – obwohl er lange suchte, fand er sie nicht mehr.

Legende – zweite Version

Der Azurblaurabe war einmal ein ganz schwarzer Vogel, wie die meisten Rabenvögel. Die Geschichte besagt, dass der schwarze Rabe eines Tages eine göttliche Mission übernommen hat, die ihn sehr nützlich machte und ihn von anderen Vögeln seiner Art in seinem Charakter und seiner Bedeutung deutlich unterschied. Der liebe Gott hatte nämlich eine Bitte um Hilfe an alle Vögel gerichtet, die Samen des Araukarienbaums weiträumig zu verstreuen, um das Waldsterben zu beenden und neue Araukarien entstehen zu lassen.

Die meisten Vögel ignorierten jedoch die Bitte Gottes. Der schwarze Rabe war der einzige, der sich für diese Aufgabe zur Verfügung stellte. Also gab der liebe Gott ihm einen Araukarienzapfen. Der Rabe legte ihn auf den Boden und klopfte ihn mit dem Schnabel ab, bis der Zapfen im Erdreich eingegraben war.

Diesen Akt wiederholte er unzählige Male mit den zahlreichen Kernen, die er erhielt. Mit der Zeit begannen die Samen zu sprießen und wurden später zu schönen Bäumen.
So wurde ein großer Teil des abgeholzten Territoriums wieder von Vegetation bedeckt, ein riesiger Araukarienwald entstand. Als Dank für sein Hilfe gab Gott dem Vogel eine Art blauen Mantel, der seinen Körper bedeckte und ihn zum einzigen Vogel machte, der einen Federmantel von himmelblauer Farbe besitzt.

Legende – dritte Version

Eine dritte Version der Legende erzählt, dass der Rabe eines Tages während er in der Krone einer Araukarie schlief, plötzlich durch den Klang einer Axt geweckt wurde. Es war ein Holzfäller, der versuchte, seinen Schlafbaum zu fällen. Erschrocken flog der Vogel hoch in den Himmel. Dort hörte er eine Stimme, die ihn aufforderte, zu dem Baum zurückzukehren und dabei zu helfen, den Wald zu schützen, indem er aus den Zapfen des Baumes stets einen Teil der Samenkerne in seiner Umgebung verstreute. Der schwarze Vogel tat wie ihm befohlen – zum Dank für seine Arbeit wurde er mit Federn so blau wie der Himmel belohnt.

Das Lied des Azurblauraben

Diese Vögel sind sehr intelligent, ihre Kommunikation zwischen Individuen ist recht komplex und besteht aus mindestens 14 sehr unterschiedlichen Vokalisationen.

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AutorIn: Klaus D. Günther

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