Figo – Feige

Zuletzt bearbeitet: 15. Januar 2013

Der Volksmund nennt die Pflanze auch: Figueira
Wissenschaftlicher Name: Ficus carica L.
Deutscher Name: Feige
Aus der botanischen Familie der: Moraceae
Herkunft: Asien

Brasilien
Brasilien
Fig-tree - Figueira - 2
Fig-tree - Figueira - 1
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Charakteristika der Pflanze
Baum von ausladendem Wuchs, der eine Höhe von 5 bis 7 Metern erreichen kann. Hat einen gewundenen Stamm mit grauer, glatter Rinde, schwache, zerbrechliche Äste und Zweige. Die Blätter sind fünf– bis siebenfingrig unterteilt. Sehr kleine unscheinbare Blüten, die sich im Innern der so genannten Frucht der Feige entwickeln, solange sie noch grün ist.

Frucht
Die fleischige und saftige, birnenförmige Struktur, die man allgemein als „Feige“ bezeichnet, wohlschmeckend und von gelbweisser bis violetter Färbung, enthält in ihrem Innern die unzähligen, eigentlichen Früchte dieser Spezies, die man im Allgemeinen für die Samenkerne hält.

Anbau
Die Pflanze passt sich jeder Art von Boden leicht an – zieht aber tiefe und lockere Böden vor. Sie liebt ein gemässigtes Klima und verträgt keinen Frost. Ihre Verbreitung geschieht mittels Stecklingen. Früchte während des ganzen Jahres. Man nimmt an, dass die ersten Pflanzen im 16. Jahrhundert nach Brasilien gebracht wurden. Feigenbäume aller unterschiedlichen Arten – viele von ihnen unproduktiv oder mit ungeniessbaren Früchten – verbreiteten sich über den gesamten südamerikanischen Kontinent.

Nach Pio Correa war die „gute Feige“ – die Ficus carica – bis zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts allerdings wohl sehr verbreitet in Brasilien, aber ihre geernteten Mengen wirtschaftlich unbedeutend. Obwohl Früchte von exzellenter Qualität – die aus Spanien, Portugal und Nordafrika herüber gebracht worden waren – und die sich auch in verschiedenen Regionen Brasiliens gut akklimatisiert hatten, waren sie doch aus dem Milieu der städtischen Vorgärten und den Obstgärten der Fazendas kaum heraus gekommen.

FigoErst um 1920 herum begann man mit einem gezielten Grossprojekt zum Anbau der „Figueira“ im Bundesstaat Minas Gerais – im Gebiet von Pocos de Caldas – jedoch war seine anfängliche Produktion nur für den lokalen Konsum bestimmt und für dessen Verarbeitung zu hausgemachten Süssspeisen, Kompotten und Gelees.

Unter Anleitung des „Instituto Agronomico de Campinas“ (Agrarinstitut) gleich nach dem Niedergang der Kaffee – Produktion am Anfang der 30er Jahre, bekam die Produktion von Feigen, zusammen mit der von Trauben, im Bundesstaat São Paulo einen enormen Impuls, um die Schlappe mit dem Kaffee wieder auszubügeln. Hierbei qualifizierten sich besonders die Gebiete um Campinas, Itatiba, Valinhos und Jundiaí, sowie São Paulo und Mogi das Cruzes. Bis zum heutigen Tag bringen diese Regionen die besten Feigen Brasiliens hervor.

Die Frucht des Feigenbaumes wird irrtümlicherweise in der Feige gesehen, die aber lediglich eine fleischige Umhüllung der eigentlichen Früchte darstellt, welche sich in ihrem Inneren wie unzählige kleine Samen präsentieren. Wenn man genau hinsieht, kann man auch die Reste von Blüten und winzige Samenkerne unterscheiden. Die gesamte Einheit ist essbar – erfrischend und zergeht fast auf der Zunge, und der Geschmack kann variieren zwischen säuerlich und extrem süss. Kein Wunder, dass die Frucht des Feigenbaums in Brasilien zu den edlen und allgemein beliebten Früchten gehört.

Weil ihre weiche Haut sehr empfindlich ist, verletzt man die Feigen leicht beim Transport, was auch ihre Lagerung und den Handel beeinträchtigt – zumindest, wenn man sie frisch zum Verbraucher bringen will. Aus diesem Grund hat man gelernt, seit Anfang ihrer Verwendung durch den Menschen, sich ihre Qualitäten auf andere, ebenso nahrhafte und unverfälschte Art und Weise nutzbar zu machen:

Je nach ihrem Verwendungszweck erntet man die Feigen in unterschiedlichen Reifestadien: die grünen Feigen werden in der Regel zu Kompotten und Süssigkeiten verarbeitet, die halbreifen Früchte sind für die Produktion von Trockenfeigen bestimmt, während man die reifen für den Konsum in natura verkauft.

An den charakteristischen Blüten und den unterschiedlichen Formen ihres Fruchtkörpers kann man vier verschiedene Typen von Ficus carica unterscheiden: „Camprifigo, Smirna, Comum und São Pedro Branco“ – die meist kultivierte Sorte in aller Welt ist jedoch vom Typ „Comum“. In Brasilien ist ebenfalls die Spezies vom Typ „Comum“, im Interior von São Paulo, wirtschaftlich von grösster Bedeutung. Unter ihren besonderen Eigenschaften ist ihre relative Unempfindlichkeit, gepaart mit kräftigem Wuchs und guter Produktivität, Gewinn bringende Merkmale von grossem Interesse.

Der Feigenbaum entwickelt sich prächtig in subtropischen Regionen mit gemässigtem Klima, obwohl er auch von grosser Anpassungsfähigkeit hinsichtlich des Klimas ist. Der Biologe Pio Correa widmet dem Feigenbaum und seiner Anpassungsfähigkeit folgendes Lob: „Die Figueira versteht sich den unterschiedlichsten Bedingungen für ihre Existenz anzupassen – und auch den widrigsten – und aus diesem Grund kann man sie sowohl am Meeresstrand in den heissen Dünen Lybiens antreffen, wie auf den kalten Hochebenen der Anden, auf mehr als 3.000 Metern Höhe“.

In Brasilien beweist sich diese Anpassungsfähigkeit im Erfolg der Feigenbaum–Kulturen sowohl in Rio Grande do Sul – einer relativ kalten Region – wie auch im gebirgigen Teil von Pernambuco, einer der heissesten Gegenden des Nordostens. Diese Kapazität der Anpassung zeigt sich ebenfalls im Wuchs des Baumes, der entsprechend dem Klima, in dem er gewachsen ist und der Behandlung, die er erfahren hat, ganz unterschiedlich ausfallen kann. Solche Bäume erreichten in mediterranem Klima, und ohne beschnitten zu werden, eine enorme Grösse – während sie in südbrasilianischen Obstplantagen, mit kühlem Klima und stets unter Beschnitt, auf einer Grösse von mannshohen Büschen gehalten werden.

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Aus unserer Redaktion · Bildquelle: Handout

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