Brasilianer wählen trans-Frauen, Indios, Mitglieder der Landbewegung MST und ebenso mehr Konservative ins Parlament

Im brasilianischen Abgeordnetenhaus wird es in der neuen Amtsperiode einige Veränderungen geben. Zugenommen haben vor allem die konservativen Kräfte. Gleichzeitig sind aber auch erstmals zwei trans Frauen in das Abgeordnetenhaus gewählt worden. Gestiegen ist ebenso die Zahl der Frauen. Sie werden künftig 91 Sitze belegen. Vier davon sind an indigene Frauen gegangen. Zuwächse gibt es auch bei der Zahl der afrobrasilianischen Abgeordneten. Sie stellen in der neuen Amtsperiode 135 Abgeordnete.

Foto: Roberto Parizotti/FotosPublicas

Erstmals gibt es zudem fünf Abgeordnete indigener Abstammung. Vier von ihnen sind Frauen, darunter zwei indigene Aktivistinnen. 2018 waren die Urvölker Brasiliens hingegen lediglich durch eine indigene Abgeordnete vertreten.

Am durchschnittlichen Bild der brasilianischen Abgeordneten hat sich hingegen wenig geändert. Die absolute Mehrheit der 513 Abgeordneten wird von weißen Männern mittleren Alters gebildet. Die Frauen stellen lediglich 17,7 Prozent und Afrobrasilianer neun Prozent. In der Bevölkerung Brasiliens nehmen Frauen indes 52,8 Prozent ein und Afrobrasilianer 56,1 Prozent.

Stimmenmagnete Bolsonaro und Lula

Auch wenn der amtierende Präsident Jair Bolsonaro bei der Wahl etwa sechs Millionen Stimmen weniger als Ex-Präsident Luis Inácio Lula da Silva erreicht hat und ein zweiter Wahlgang für das Präsidentenamt notwendig ist, hat Bolsonaro dennoch als Stimmenmagnet für Verbündete fungiert.

2021 hat sich der ultrarechte Politiker der Partido Liberal (PL) angeschlossen. Die wird künftig die stärkste Partei des Abgeordnetenhauses sein. Erzielt haben die PL-Politiker 99 Sitze. Gestärkt hervorgegangen sind bei den Wahlen ebenso Progressistas (PP) und Republicanos, die Bolsonaro offiziell unterstützen.

Ein Magnet war Bolsonaro ebenso für Abgeordnete mit den höchsten Stimmenzahlen. Stimmenchampion 2022 ist Nikolas Ferreira der erst 26-jährige Youtuber und Stadtrat Belo Horizontes ist ausgesprochener Bolsonaro-Anhänger und hält mit knapp 1,5 Millionen Stimmen Einzug ins Abgeordnetenhaus.

Die dritthöchste Stimmenzahl (946.244 Stimmen) hat die Bolsonaro-Anhängerin Carla Zambelli erhalten. Nur bei seinem eigenen Sohn hat das mit dem Magnet dieses Mal nicht so funktioniert. Eduardo Bolsonaro war 2018 mit 1,84 Millionen Stimmen Stimmenchampion unter den Abgeordneten. Am vergangenen Wahlsonntag erreichte er indes nur 741.701 Stimmen.

Kurioserweise liegt zwischen den beiden rechten Politikern Ferreira und Zambelli ein linker Aktivist und Koordenator der Bewegung Arbeiter ohne Dach (MTST), Guilherme Boulos. Er belegt mit etwas mehr als einer Million Stimmen den zweiten Platz der meist gewählten Abgeordneten.

Mehr Sitze als 2018 sind auch an die Arbeiterpartei PT gegangen, der Lula angehört. Auch er war Stimmenmagnet, wenn auch in geringerem Maße wie Bolsonaro. Seine Arbeiterpartei wird künftig jedoch mit 68 Abgeordneten die zweitstärkste Partei des Hauses sein. Einen Abgeordnetensitz belegen werden ebenso zwei Mitglieder der Bewegung Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (MST), übersetzt etwa Arbeiter ohne Land.

Verloren hat hingegen die Mitte, die sich weder für rechts noch für links ausgesprochen hat.

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AutorIn: Gabriela Bergmaier Lopes

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