05. Oktober –Tag der Vögel

Sonntag, fünf Uhr morgens. Von der Sonne ist immer noch nichts zu sehen, und es ist so kalt, dass die einfache Aufgabe, eine Kamera zu halten, zu einer Herausforderung wird. Der Tau scheint feuchter denn je und durchnässt die Hose. Ein Albtraum? Nicht so für die Mitglieder der Gruppe, die in absoluter Stille durch den Wald gehen. Sie sind Vogelbeobachter und tun eines der Dinge, die sie am meisten lieben: Sie suchen nach Vögeln.

Papagai – Foto: saragraphika auf Pixabay

Aktivitäten, die uns in Kontakt mit der Natur bringen, sorgen für Entspannung, Momente der Besinnung und sogar für die Verbesserung von Funktionen wie Gedächtnis, Konzentration und Aufmerksamkeit. Zusätzlich zu diesen Eigenschaften ist die Vogelbeobachtung auch ein wesentlicher Bestandteil der Umwelterziehung. Es ist notwendig, die visuelle und akustische Wahrnehmung zu verbessern, um die Vögel zu finden und zu lernen, die Arten zu erkennen. Sich über sie zu informieren, ist der erste Schritt, um sich für den Naturschutz zu engagieren.

Wie so viele andere Hobbys fördert die Vogelbeobachtung auch die soziale Interaktion. Freunden Fotos von der letzten Reise zu zeigen, sie um Hilfe bei der Identifizierung einer Art zu bitten und alten Geschichten von erfahrenen Vogelbeobachtern zuzuhören, sind einige der kleinen Dinge, die diese Aktivität so fesselnd machen.

Ich war Pressefotograf, aber meine Lieblingsmotive sind Vögel. Haben Sie schon mal einen freien Vogel in der Natur beobachtet? Können Sie von ihren Beobachtungen einige Eindrücke wiedergeben? Heute ist der “Internationale Tag der Vögel“, und anlässlich dieses Tages möchte ich Ihnen gerne meine Eindrücke schildern, die ich beim Fotografieren meiner Lieblinge empfinde – und ich hoffe, dass Sie, lieber Leser, ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Der Oktober ist einer der besten Monate in Brasilien für die Vogelbeobachtung – und er ist auch mein Geburtstagsmonat (03.10.) – und was soll ich Ihnen sagen: Es gab keine Geburtstagsgesellschaft, stattdessen war ich draußen bei meinen Freunden!

Vögel als Freunde zu behandeln klingt ziemlich metaphorisch, ist es aber nicht – wenigstens nicht bei mir. Nach so vielen Jahren der Vogelbeobachtung aus reiner Liebe zu ihnen, nehme ich die Vögel tatsächlich als meine Freunde war. In ihrer Gegenwart bin ich stets glücklich, bin fasziniert, wenn ich einem neuen oder seltenen Freund begegne und lausche bewegt seinen Lautäußerungen.

Orangebrusttangare – Foto: Gabrielvmrl2 auf Pixabay

Ja, ich gebe es zu, dass ich auch mit ihnen spreche! Ich lobe ihre Schönheit und lasse die Bemerkung fallen, “was für ein schönes Tier“ – und erlebe, zur Bestätigung meiner Worte – wie sie ihre Flügel genüsslich ausbreiten.

Als nebenberuflicher Vogelbeobachter höre ich nicht nur auf Vögel, sondern spreche auch mit ihnen, ohne die geringste Sorge, mich vor meinen menschlichen Freunden zu blamieren. Wie oft ist es geschehen, dass meine Vogelfreunde dem entsprachen, wenn ich sie bat, dass sie sich “etwas drehen sollten“ oder doch “bitte den anderen Ast einnehmen“, um meinem Anspruch einer guten Fotografie zu entsprechen – meine Begleiter sind dann immer entzückt und murmeln “sie verstehen ihn“!

Wenn ich glücklich oder traurig bin, besuche ich “meine Vögel“. Ich mache mir Sorgen, werde emotional und versuche, viele Dinge zu lösen, die meine Freunde in Gefahr bringen. Und dann habe ich ein schlechtes Gewissen, da sich die meisten Probleme als durch meine Mitmenschen verursacht herausstellen. Es gibt viele Dichter, die bestätigen, dass dies die Symptome echter Freundschaft sind!

Es stört mich nicht, dass die Vögel vielleicht nicht wissen, wie sehr ich sie schätze, und ich vermute, dass sie keinen Grund haben, mit einem Menschen befreundet zu sein. Vielleicht liegt es an meinem Gefühl für Freundschaft, dass ich mich nie aufdringlich oder Indiskret verhalte, wenn ich mit meinem Fernglas auf Vögel ziele, oder wenn ich sie unaufgefordert fotografiere – so wie ein “Paparazzi“.

Krähe – Foto: sabiá brasilinfo

“Der wahre Freund erwartet keine Gegenleistung“! Trotzdem haben mir die Vögel viel gegeben. Sie waren seit meiner Kindheit meine ersten Freunde – die ersten Aufnahmen mit meiner Kamera waren Bilder von Krähen, Meisen und Rotkehlchen in meiner Heimat – später in Brasilien hatte ich eine bessere Kamera und buntere Vögel, die meine Liebe richtig entflammten, und meine freie Zeit
ausfüllten.

Heute bin ich zwar zurück bei Meisen und Rotkehlchen – aber meine Tropenvögel sind wöchentlich im Facebook zu sehen.

Auf der immateriellen Ebene machten mich die Vögel zu einem privilegierten Menschen, gaben mir Lebenssinn, Glück und andere seltene Dinge, die viele Menschen vergeblich suchen. Schließlich haben mir meine Vogelfreunde auch viele Freunde geschenkt und mich gelehrt, dass das Großzügigste, was ein Freund mit uns teilen kann, mehr Freunde sind!

Aracari-Castanho-Tukano – Foto: sabiá brasilinfo.

Wie schrieb der grosse Dichter und Vogelbeobachter Pablo Neruda:
“Ja ja ja ja ja ja ja… Ich bin ein verzweifelter Vogelbeobachter, ich kann mich nicht korrigieren und obwohl die Vögel mich nicht in den Wald, den Himmel oder das Meer einladen, oder in ihr Gespräch – zu ihrem Festmahl, lade ich mich ein und beobachte sie“.


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AutorIn: Klaus D. Günther

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