Tausende Musikshows und Millionenpublikum – Brasilien feiert Festas Juninas

Jetzt im Juni wird in Brasilien gefeiert. In beinahe allen Städten und Dörfern gibt es Festa Junina, die berühmten Juni- oder Johannis-Feste Brasiliens. Gefeiert wird in Kindergärten, Schulen, Seniorenheimen, im eigenen Garten und Haus und vor allem auf den Straßen der Städte und Dörfer. Nach dem Karneval sind die Festa Junina die wichtigsten Volksfeste Brasiliens, die jährlich ein Millionenpublikum anziehen. Für sie werden vielerorts Bühnen und Buden aufgebaut, Straßen gesperrt und Häuser und Plätze dekoriert.

Festa Juninas – Thiago Araujo-Agencia/Para

Mit der Ankunft der Portugiesen auf dem südamerikanischen Kontinent, sind auch die Johannisfeste dort angekommen. Die haben sich in Brasilien mit neuen Elementen vermischt, mit Traditionen der Landbevölkerung und ebenso der indigenen und afrikanischen Völker. Hinzu kommen regionale Besonderheiten, die in eigenen Elementen, Tänzen und auch beim Essen und den Getränken Ausdruck finden.

Heute sind die Festa Junina nicht nur ein Grund für ausgelassene Feiern in der Mitte des Jahres, sondern ebenso ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Lediglich der Karneval Brasiliens zieht ein noch größeres Publikum an. Die Bedeutung der Festa Junina oder São João (Heiliger Johannes) ist enorm. Sie bewegen die Wirtschaft und ebenso den Tourismus.

Tausende Musikshows stehen im Juni landauf, landab auf dem Programm. Selbst die Kleidungsbranche profitiert von den Festen. Während Schauspieler, Sänger und andere Stars für den Karneval teure Kostüme kaufen, werfen sie sich für die Festa Junina mit Kleidung in Schale, die schon einmal tausende Reais kosten kann.

Auch bei der Werbung wird auf das Thema gesetzt, egal, ob diese für eine Bank oder einen Handybetreiber ist. Sie wird mit der brasilianischen Sertaneja- oder Forró-Musik untermalt, Männer in karierten Hemden und mit Strohhut und Frauen im weiten Rock treten auf, Tanz-Quadrillen sind zu sehen und ebenso die typischen Speisen der Festa Juninas.

Wer durch die Straßen und Geschäfte der Städte und Dörfer streicht entkommt kaum dem Johannisfieber. Viele der Läden haben ihre Auslagen speziell für die Festa Junina dekoriert. Auch in den Supermärkten gibt es eigene Ecken, die mit Süßigkeiten und Getränken versehen sind, die bei den Johannisfesten nicht fehlen dürfen. Andere Geschäfte setzen gezielt auf den Verkauf von speziellen Deko-Artikeln für die Johannisfeste, Wimpel, Papierlaternen, Strohhüte und künstliche Blumen, mit denen Haus und Garten verziert werden können. Sogar Lichterketten, die sonst zur Weihnachtszeit zum Einsatz kommen, werden mittlerweile für die Festas Juninas zum Kauf angeboten.

Millionen-Investitionen

Viele der Feste erhalten Investitionen von Munizipen und Bundesstaaten. Allein Caruaru soll vom Bundesstaat Pernambuco vier Millionen Reais (umgerechnet derzeit etwa 770.000 Euro) für die Ausrichtung des diesjährigen São João de Caruaru erhalten haben, dem größten der Geschichte, wie die Stadt wirbt.

Das Jonnisfest der etwa 370.000 Einwohner zählenden Stadt Caruaru gehört tatsächlich zu den größten Brasiliens. Gerechnet wird dieses Mal mit dem Besuch von vier Millionen Touristen, so vielen wie noch nie. Gerechnet wird aber auch damit, dass die Besucher etwa 600 Millionen Reais (umgerechnet derzeit etwa 115 Millionen Euro) in die Kassen der Region bringen werden.

Für das Publikum des São João de Caruaru stehen 1.200 Evente auf dem Programm, unter anderem Musikshows mit Stars wie Ivete Sangalo, Elba Ramalho, Luan Santana oder Gusttavo Lima. 900 der Attraktionen werden jedoch von den Künstlern der Region aufgeführt. Dazu kommen Tanzvorführungen mit „Quadrilhas“, die von bis zu 65 Tänzerinnen und Tänzern gebildet werden. Gleich 25 „Polos“ ,Schwerpunkte, mit Bühnen, Buden und Tanzböden wurden für das diesjährige Fest über das Stadtgebiet verteilt.

Feierlichkeiten über Wochen hinweg

Auch, wenn es Juni- oder Jahnissfeste sind, wird nicht nur im Juni oder um die Tage der Sonnwende oder dem Johannistag am 24. Juni gefeiert. Vielerorts erstrecken sich die Festivitäten über eine oder meherere Wochen. In Caruaru haben die Festivitäten dieses Jahr sogar bereits am 28. April begonnen und werden insgesamt 65 Tage dauern. Auftakt war im ländlichen Bereich und am Stadtrand. Seit dem 1. Juni steht aber auch die Stadt selbst im Johannisfieber.

Ebenso im Nordosten Brasiliens, im Bundesstaat Paraíba, liegt die 400.000 Einwohner zählende Stadt Campina Grande. Sie hält seit Jahren den Titel des größten Johannisfest der Welt, auch wenn Caruaru versucht, ihr den Titel abzulaufen. Dieses Jahr feiert Campina Grande das 40ste Jubiläum seines São João, wie das Johannisfest dort genannt wird. Bis zum 2. Juli werden auf den in der Stadt verteilten Bühnen 340 Künstler auftreten und darüber hinaus sich 50 Quadrillen präsentieren. Erwartet werden zwei Millionen Besucher.

Nicht nur der Nordosten Brasiliens feiert. Auch im Süden, Südosten, dem zentralen Westen und Norden geben die Festas Juninas im Juni den Ton an. Selbst die Unterhaltungsbranche der TVs ist von ihnen geprägt. Einige der größeren Festas werden live übertragen. Andere Fernseh-Shows widmen sich der Präsentation von Dekoration und Rezepten für die Speisen der Festas Juninas.

Der Mais und die Festas Juninas

Aufgetischt werden bei den Festas Juninas typische Speisen, wie Bolo de fubá, ein Maismehlkuchen. Überhaupt spielt der Mais eine wichtige Rolle. Neben dem Bolo de fubá gehören zu den Festas Juninas ebenso Canjica, Pamonha, Curau de milho verde und Cuscuz.

Canjica, die je nach Region auch Munguzá genannt wird, ist dem süßen Milchreis ähnlich. Gekocht wird sie mit weißem oder hellgelben Mais, Milch, Zucker, Zimt und Nelken.

Pamonha kann hingegen sowohl herzhaft als auch süß sein. Ihr Hauptbestandteil ist grüner Mais. Für sie werden die noch am Kolben befindlichen Maiskörner gerieben, die Masse dann für die herzhafte Version mit Salz, Butter und Kokusmilch gemischt. Die süße Version wird mit Zucker, Butter, Milch, Zimt und Anis zubereitet. Beide werden danach in Blätter der Maiskolben gewickelt und gekocht.

Für den Curau de milho verde, werden die vom Kolben abgestriffenen Maiskörner hingegen mit Milch im Mixer zerkleinert und dann mit etwas Zucker und einer Prise Salz zehn Minuten lang gekocht und anschließend kalt serviert.

Für den Cuscuz wird Maisgrieß mit einer Prise Salz und Wasser gekocht. Je nach Region kann er mit gekochten Eiern, Tomaten und Oliven angereichert werden. Cuscuz gibt es auch beim São João de Caruaru. Die dortigen Organisatoren wollen dieses Jahr mit ihm einen Rekord versuchen. Geplant ist, am 11. Juni den größten Cuscuz der Welt zu kochen. 20 Köche und Helfer wollen einen 1.400 Kilogramm schweren Cuscuz kreieren, wie es in der Ankündigung des Eventes heißt.

Johannisfest mit süßen Erdnüssen

Auch Erdnüsse spielen bei den Johannisfesten eine wichtige Rolle. Sie werden vor allem zu Süßigkeiten verarbeitet, wie Pé de Moleque, Doce de amendoim oder Paçoca.

Für Pé de Moleque werden Erdnüsse mit Zucker und Margarine im Topf erhitzt, bis sich eine Art Karamell gebildet hat. Dann kommt süße Kondensmilch hinzu. Löst sich die Masse vom Topfboden, wird sie in Häufchen oder Rechtecken auf einen Porzellanteller oder Blech angeordnet und kalt gestellt.

Hinter Doce de Amendoim verbergen sich karamellisierte Erdnüsse. Die Grundlage der Paçoca sind geröstete und dann gemahlene Erdnüsse, die mit Zucker und Salz vermischt werden. Je nach Region wird noch Maniok- oder Maismehl untergemischt. Das Ganze wird dann in Formen gepresst.

Soziale Aktionen und kollektive Hochzeit
Längst richten sich die Festa Juninas nicht nur an Touristen und diejenigen, die sich das Feiern leisten können. Verschiedene Einrichtungen bieten die Feste für die Menschen an, die sich in Not befinden. Mit der Hilfe von Spenden und Ehrenamtlichen können sie so zumindest ein wenig ihre Probleme vergessen, feiern und ein Festa Junina genießen.

In São Paulo richtet das Institut Meninos de São Judas Tadeu Johannisfeste aus. Das Institut betreut etwa 2.000 Kinder. Ihnen kommen die Einnahmen der Johannisfeste des Institutes in Form von Essen und Kleidung zugute.

In Campina Grande steht beim São João eine kollektive Hochzeit auf dem Programm. Weil selbst eine standesamtliche Hochzeit in Brasilien nicht von jedem bezahlt werden kann, gibt es in vielen Städten immer wieder das Angebot von kollektiven Hochzeiten. Die sind für die Paare kostenlos, aber rechtskräftig. Die Paare erhalten zudem Hilfe bei der Kleidung.

Eine Hochzeit gehört auch zu den traditionellen Johannisfesten. Während diese aber gespielt ist und theatralisch aufgeführt wird, werden sich am 12. Juni in Campina Grande tatsächlich einhundert Paare das Ja-Wort geben. Die Sozialaktion gehört seit drei Jahrzehnten zum Johannisfest der Stadt. Angenommen wurde sie bereits von etwa 2.500 Paaren, die beim Festa São João nicht nur gefeiert, sondern auch geheiratet haben.

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AutorIn: Gabriela Bergmaier Lopes

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