Die Liebe der Brasilianer zu Orchideen

Brasilianer haben zu Orchideen eine besondere Beziehung. Sie gehören zu den am meisten verkauften Blumen des Landes. Überrundet werden sie lediglich von Rosen. Allerdings sind den Orchideen in Brasilien in vielen Städten eigene Festivals gewidmet, wie das in São Carlos im Bundesstaat São Paulo. Allein dort werden jährlich etwa 1.500 Orchideenarten von tausenden Besuchern bestaunt. Die südbrasilianische Stadt Porto Alegre ist noch einen Schritt weiter gegangen. Sie hat im März ihren 251sten Geburtstag mit einer Orchideenshow gefeiert.

Orchideen Jardim Botanico-RJ – Foto: sabiá brasilinfo

Wie beliebt in Brasilien Orchideen sind, zeigt auch die Idee eines besonderen Projektes in der im Bundesstaat São Paulo gelegenen Stadt Barueri. Frittierte Lebensmittel gehören zur brasilianischen Küche. Wohin aber mit dem dafür benutzten Öl? Um zu vermeiden, dass es in der Kanalisation landet oder hinter dem Haus einfach in den Garten geschüttet wird, gibt es in Brasilien etliche Projekte zur Sammlung des alten Küchenöls. Das wird in vielen Fällen dann Initiativen übergeben, die daraus Seifen herstellen.

Um die Bewohner der Stadt Barueri zur Abgabe des gebrauchten Öls anzuregen, ist ein Tauschvorschlag aufgelegt worden. Wer zwei Liter Küchenöl ins Sozialzentrum CRAS gebracht hat, hat dort im Gegenzug eine Orchidee erhalten.

In Barueri werden Orchideen groß geschrieben. Ihnen ist sogar der Name einer Straße gewidmet, der Rua das Orquídeas. An der liegt überigens auch das Sozialzentrum Cras. Außerdem besitzt die Stadt ein Orchidarium. In dem werden die in der Region natürlich vorkommenden Orchideen nicht nur der Bevölkerung präsentiert, damit diese sie mehr wertschätzt, sondern auch nachgezüchtet, um ihren Bestand zu gewährleisten. Derzeit wird an einem neuen Orchidarium gebaut. Auf dessen 300 Quadratmetern künftig 15.000 Orchideen Platz finden werden.

Woher kommt die Liebe der Brasilianer zu Orchideen?

Orchideen sind beeindruckende Pflanzen. Sie imponieren uns mit ihrer so anderen Gestalt ihrer oft farbenprächtigen Blüten. Einige unter ihnen simulieren mit ihren Blüten sogar Insekten. Andere rufen eine Faszination hervor, weil sie so winzig sind. Ein Beispiel ist Phymatidium delicatulum. In manchen Regionen wird sie auch Orquídea da Goabeira, Guaven Orchidee, genannt, weil sie unter anderem auf Guavenbäumen wächst, die ähnlich wie in Europa die Apfelbäume weit verbreitet sind. Ihre Blüten erreichen nur wenige Millimeter. Die Mini-Orchidee beeindruckt trotzdem. Mit ihren Blütenansammlungen bildet sie kleine weisse Bällchen auf dem zarten Grün ihrer winzigen Blätter.

Vielleicht liegt die Orchideen-Faszination der Brasilianer aber auch an der Tatsache, dass Brasilien zu den Ländern mit der höchsten Anzahl an Orchideenarten gehört. Von den weltweit etwa 20.000 in freier Natur wachsenden Orchideenarten sind in Brasilien etwa 3.500 beheimatet. Ihre tatsächliche Zahl dürfte jedoch wesentlich höher sein, da beinahe jährlich neue Entdeckungen hinzu kommen, wie die im Amazonas-Regenwald entdeckten Dimerandra elsae und Encyclia alicea, die derzeit von den Forschen des Institutes Pesquisas Científicas e Tecnológicas do Amapá (Iepa) wissenschaftlich beschrieben werden.

Während in Europa die Mehrzahl der Orchideen auf dem Boden wachsen, sind in Brasilien die meisten Arten Aufsitzerpflanzen, die auf Bäumen, Palmen, Büschen oder abgestorbenen Stämmen wachsen. Aber es gibt auch Mischformen, wie die Vanille-Orchideen. Sie klettern an Bäumen und Palmen empor und entfalten hoch oben ihre Blüten, die wiederum ihre Samen in Schoten bildet, den berühmten Vanilleschoten.

Unterirdisch wachsende Orchidee

Die Artenvielfalt und ebenso die Blüten- und Wachstumsform der brasilianischen Orchideen ist enorm. Im Atlantischen Regenwald wachsen Orchideen dabei nicht nur auf den Bäumen und Palmen oder am Boden, sondern auch unter dem Boden. Zumindest gilt das zeitweise für Pogoniopsis schenckii.

Sie gehört zwar nicht zu den Schönheiten des Blumenreiches, weist aber einzigartige Besonderheiten auf, die Wissenschaftler in den Bann gezogen haben. Forscher der Universidade Estadual de Campinas (Unicamp) wollten herausfinden, von was sich diese Orchidee ernährt. Anders als ihre Verwandten enthalten ihre Blätter nämlich kein Chlorophyll. Das wäre jedoch notwendig, um über die Photosynthese Wasser und Kohlendioxid in die für Pflanzen zum Überleben notwendige Energie zu verwandeln.

Wie aber ernährt sich die nur zehn Zentimeter große Orchidee des Regenwaldes? Sie weicht auf die Hilfe von Pilzen aus. Während die Pilze das am Boden angesammelte Laub und Holzreste zersetzen, bilden sie Hyphen, eine fadenähnliche Geflechtstruktur. Diese durchzieht nicht nur den Boden, sondern ebenso die gesamte Orchidee. Für sie ist das von großem Vorteil, entzieht sie den Hyphen doch die Nährstoffe, die sie für ihr Wachstum benötigt.

Entdeckt wurde P. schenckii vom deutschen Naturalisten Carl Friedrich Philipp von Martius schon im 19ten Jahrundert. Dass sie kein Chlorophyll besitzt, haben die Forscher 1940 herausgefunden. Bis sie ihr Nahrungsverhalten entschlüsselt haben, sind dann aber noch einmal 75 Jahre vergangen. Das hat seinen Grund. Die meiste Zeit des Jahres ist von P. schenckii nichts zu sehen. Neun Monate verbringt sie im Untergrund. Lediglich zwischen Dezember und Februar streckt sie am vom Regenwald bestandenen Küstengebirge des Parque Estadual da Serra do Mar in São Luiz do Paraitinga ihre Blütenstile und Blüten durch den Boden hervor und ist dann auch für uns Menschen zu sehen.


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AutorIn: Gabriela Bergmaier Lopes

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