„Herr des Wassers“ holt sich Gold – Isaquias Queiroz hängt beim Kanurennen Konkurrenten weit ab

Er hat vom olympischen Gold geträumt und er hat es sich bei den Sommerspielen in Tokio geholt. Beim Kanurennen C1 1000 Meter hat Brasiliens Ruder-Crack Isaquias Queiroz seine Mitstreiter im Endspurt um Kanulänge abgehängt und ist nach 4min04s.408 als erster über die Ziellinie gefahren.

Kanu Gold für Isaquias Queiroz – Foto: Miriam Jeske/COB

Bei Rio-2016 hatte Isaquias Queiroz in der gleichen Disziplin schon Silber errungen. Im Kanudoppel C2 1000 Meter schaffte er 2016 mit seinem Partner Erlon de Sousa Silva ebenso Silber. Dazu holte er sich noch Bronze im C1 200 Meter. Er war damit zum ersten Brasilianer geworden, der während einer Olympiade drei Medaillen erzielt hat.

Abgehängt wurde er in Rio de Janeiro beim 1000 Meter Rennen lediglich von seinem größten Konkurrent: Sebastian Brendel. Der Deutsche ist Isaquias Idol. Als sein Sohn vor vier Jahren auf die Welt kam, hat er ihn Sebastian genannt, auch deshalb, um immer daran erinnert zu werden, sein Bestes zu geben. Das hat er in Tokio getan.

Wenn Isaquias Queiroz sein Kanu ins Wasser setzt, ist er in seinem Element. “Herr des Wassers“ wurde er kurz nach seinem Olympiasieg über Twitter betitelt. Andere scherzten, er sei der einzige mit einem eingebauten Motor gewesen.

Das Kanufahren liegt dem 27-Jährigen im Blut. Aufgewachsen ist er mit seinen acht Geschwistern in dem kleinen Städtchen Ubaitaba. In der Indiosprache Tupi bedeutet das soviel wie „Land der Kanus“ oder “Ort der Kanus“. Aus Ubaitaba stammt auch der erste olympische Kanufahrer Brasiliens, Jefferson Bispo Lacerda (Barcelona 1992).

Das Kanufahren gehört zum Alltag der Stadt. Die ist durch einen Fluss von der Nachbargemeinde Aurelino Leal getrennt. Über den gab es lange Zeit keine Brücke. Wer übersetzen wollte, benutzte das Kanu oder ließ sich auf die andere Seite des Flusses rudern. Auch heute greifen noch viele auf die Tradition zurück, weil die Brücke einer Schnellstraße dient.

Leicht hatte es Isaquias nie. Mit zwei Jahren hat er seinen Vater verloren. Mit drei wäre er nach einem Hausunfall beinahe an Verbrennungen gestorben. Mit zehn verlor er nach einem Sturz von einem Baum eine Niere. Dass er einmal mit dem Kanu 22 Medaillen erringen sollte, glaubte damals keiner.

Zwölf der Medaillen erruderte er bei Weltmeisterschaften, vier bei den Panamerikanischen Spielen, zwei bei Jugendmeisterschaften. Mit dem Gold von den Sommerspielen in Tokio vereint er jetzt zudem auch vier olympische Medaillen. Er gehört damit zu einer kleinen Gruppe, die vier oder mehr olympische Medaillen erreicht haben. Gelungen ist das mit ihm bisher lediglich fünf Brasilianern.

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AutorIn: Gabriela Bergmaier Lopes

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