Schwerbewaffnete Goldgräber attackieren Yanomami-Indios in ihrem Reservat

Seit Tagen terrorisieren illegale Goldgräber Yanomami-Indios in ihrem Territorium. In nur zwei Wochen sind mindestens sechs Attacken mit Schußwaffen gegen das Dorf Palimiú und seine Bewohner registriert worden. Selbst die herbei gerufene Bundespolizei konnte weitere Angriffe nicht unterbinden.

Das traurige Ergebnis der Goldgräber im Yanomami Gebiet – Foto: Screenshot Video

Von den Indios aufgenommene Videos zeigen, wie schwer bewaffnete Goldgräber am Montag (10.) vom Fluss aus Feuer auf Kinder, Frauen und Männer des Indio-Dorfes Palimiú eröffnet haben. Beim folgenden Schußwechsel sollen mehrere Goldgräber und ein Yanomami verletzt worden sein.

Am Dienstag (11.) hat sich die Szene wiederholt. Als Polizisten vor Ort waren, um sich ein Bild von der Situation zu machen, haben Goldgräber von sechs Schnellbooten aus auf Polizisten und Indios geschossen. Nach Abzug der Bundespolizei hat es nachts einen weiteren Angriff gegeben. Indio-Vertretungen berichten von 40 Schnellbooten der Invasoren, von denen aus geschossen wurde.

Die Konflikte mit Goldgräbern und Indigenen haben sich in den vergangenen Monaten verschärft. Weil es von der Bundesregierung Brasiliens kaum Unterstützung zur Ausbreitungsvermeidung der Coronavirus-Pandemie gibt, wie indigene Verbände betonen, haben vielerorts die Indios selbst Sperren errichtet. Mit denen sollte eigentlich vermieden werden, dass Fremde in die Indio-Territorien eindringen und den Virus verbreiten.

Palimiú liegt am Fluss Uraricorera, der für die Invasoren ein wichtiger Zufahrtsweg ist. Auch dort ist eine Sperre errichtet worden. Laut Berichten indigener Verbände haben Yanomamis zudem im April Material der Invasoren beschlagnahmt, was die Angriffe ausgelöst haben soll.

Das Instituto Socioambiental bestätigt eine Zunahme der Goldgräberaktivitäten und die damit einhergehende Umweltzerstörung im Indio-Territorium Yanomami. Einher gehen damit ebenso die Verbreitung des Coronavirus und von Malaria. Laut der Artikulation indigener Völker Brasiliens (Apib) haben sich in der Region bereits 1.200 Indios mit dem Coronavirus angesteckt, 23 sind an den Folgen von Covid-19 gestorben.

Yanomamis, verschiedene Organisationen und die Artikulation indigener Völker Brasiliens (Apib) fordern seit Jahren ein Vorgehen von offizieller Seite gegen die Invasoren. Jetzt haben sie sich eimal mehr an den Obersten Gerichtshof (STF) gewandt und klagen die sofortige Entfernung der Invasoren aus dem Indio-Territorium Yanomami sowie einen Schutz der indigenen Völker ein.

In dem Territorium leben etwa 27.000 Yanomamis und ebenso unkontaktierte Völker. Die Zahl der illegalen Goldgräber im Territorium wird auf über 20.000 geschätzt. Die in den brasilianischen Bundesstaaten liegende Terra Yanomami ist mit beinahe zehn Millionen Hektar das größte Indio-Reservat Brasiliens.

Auf Antrag des Staatsministeriums hat nun am Donnerstag (13.) ein Bundesgericht die Entsendung von Militär und Polizei zum Schutz der Indigenen angeordnet. Allerdings wurden der Regierung 24 Stunden Zeit für eine Antwort eingeräumt.

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AutorIn: Gabriela Bergmaier Lopes

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