Wintersport unter tropischer Sonne – Von Brasilien zu den Winterspielen in Peking

Für Brasilianer ist Schnee etwas Exotisches. Nicht, dass es in dem gigantischen Land nicht schneien würde. Im subtropischen Süden Brasiliens kommt das schon vor. Liegen bleibt der Schnee eher selten. Das hindert die Brasilianer aber nicht daran, das kalte Ereignis geniessen zu wollen oder an den olympischen Winterspielen teilzunehmen. In Peking sind gleich elf brasilianische Wintersportler dabei.

Peking 2022 – Foto: cob.org.br

Vielleicht fragen Sie sich, wie die Brasilianer bei tropischen Temperaturen überhaupt auf den Gedanken kommen, Skifahren oder Snowboarden zu wollen. Die Antwort könnte heißen: Sport sprengt Grenzen. Aber da ist auch noch der Traum vom Schnee-Erlebnis, der in vielen Brasilianern schlummert. Der führt sogar zum Wintertourismus im eigenen Land. Denn im Süden Brasiliens kann es, wie gesagt, schon mal schneien. Das ruft dann bei Vielen ein freudiges Hallo hervor.

Wird bei den Wettervorhersagen im subtropischen Winter für die gebirgigen Regionen des Südens Brasiliens Schnee angesagt, machen sich stets einige kurzentschlossene Brasilianer aus nördlicheren Gefilden auf den Weg in den Süden, um einmal im Leben eine Schneeflocke zu erhaschen. Dann werden Selfies von in Decken gewickelten, strahlenden Menschen mit vom Himmel tanzenden Schneeflocken in die sozialen Netzwerke gestellt und auch über die TV-Nachrichten verbreitet.

Manche planen aber auch vorab. In Städten wie São Joaquim und Urupema im Bundesstaat Santa Catarina oder Gramado in Rio Grande do Sul ist ein Schneefall in nahezu jedem Winter garantiert. Dort sind Pousadas und Hotels auf den Schneetourismus eingestellt. Weil es dort aber meistens nachts oder in den frühen Morgenstunden schneit, gibt es so etwas wie Schneewächter. Fällt die erste Flocke, klopfen sie an die Türen, um die Schneetouristen aufzuwecken.

Der Wunsch, einmal Schnee zu erleben, geht aber noch weiter. Bei Gramado haben zwei Geschwister 2013 ein Snowland eingerichtet, einen Indoor-Vergnügungspark mit Schneeburg, Schlittschuh-, Ski- und Rodelbahn. In dem können die Brasilianer das ganze Jahr über, auch bei 30 Grad im Schatten, ein Gefühl von der Schneekühle bekommen.

Das Indoor-Schneeland erfreut sich großer Begeisterung. In den ersten beiden Jahren seines Bestehens soll es gleich eine halbe Million Besucher angezogen haben. Dass die Garderobe der meisten Brasilianer nicht auf Minustemperaturen ausgerichtet ist, ist für einen Besuch im Snowland übrigens kein Problem. Ein entsprechendes Kit mit Anorak und Handschuhen kann ausgeliehen werden.

Für den professionellen Wintersport reichen die Schnee-Ereignisse im Süden Brasilines freilich nicht aus. Aber auch da gibt es Abhilfe. In São Paulo ist beispielsweise ein Trainingszentrum für Bobfahren eingerichtet worden. Trainiert werden kann dort der Start und die physische Kondition der Sportler.

Das Bobfahren ist eine der Disziplinen, an denen Brasilianer in Peking an den Start gehen werden, mit Edson Bindilatti an der Spitze. Mit 42 Jahren ist er ein alter Hase, was das Bobfahren betrifft. Viermal ist er bereits bei olympischen Winterspielen angetreten, 2002 in Salt Lake City, 2006 in Turin, 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeongchang.

Eigentlich lebt Edson Bindilatti im brasilianischen Bundesstaat Bahia, in dem das ganze Jahr über tropische Temperaturen vorherrschen. Dass er dennoch auf die Idee gekommen ist, sich dem Wintersport mit dem Bob zu widmen, wird dem Film “Cool Runnings“ zugeschrieben. Der erzählt die Geschichte der ersten olympischen Bobmannschaft Jamaikas und hat den Brasilianer beeindruckt.

Brasilianer bei den Winterspielen in Peking

Seit 1992 ist Brasilien regelmäßig bei den olympischen Winterspielen vertreten. Einen Podiumsplatz haben die Sportler aus dem tropischen Land noch nicht errungen. Was zählt, ist das Dabeisein.

Es gibt aber durchaus Erfolge vorzuweisen. Isabel Clark Ribeiro hat es 2006 in Turin unter die zehn besten Snowboarder der Welt geschafft und den neunten Platz errungen. Auf das Snowboard ist sie bei einem Besuch ihres Bruders in den USA gekommen. In Peking wird sie nicht antreten. Allerdings werden bei den olympischen Winterspielen 2022 mindestens elf brasilianische Athleten in fünf Disziplinen an den Start gehen. Sicher ist ihnen schon jetzt die Anfeuerung ihrer Landesgenossen, die mit „ihren“ Sportlern und Sportlerinnen mitfiebern werden.

Die erfahrenste Olympiade-Sportlerin ist Jaqueline Mourão. Die 46-Jährige ist ein Multitalent. Nach Schwimmen, Leichtathletik und Gymnastik hat sie sich aber drei Disziplinen verschrieben, dem Mountainbiking, dem Langlauf und dem Biathlon.

Einen Rekord hat sie bereits inne, den der Teilnahme an olympischen Spielen. Sieben Mal war sie bereits dabei, zweimal davon bei Sommerspielen. Peking wird ihre achte Olympiade sein. Antreten wird sie dieses Mal beim Langlauf.

Ebenso beim Langlauf antreten werden Bruna Moura und Manex Silva. Manex Silva gilt mit seinen 19 Jahren schon als vielversprechendes Langlauftalent. Geboren ist er in der Amazonas-Region in Acre. Mit zwei Jahren sind er und seine Eltern aber ins Baskenland gezogen.

Die im Bundesstaat São Paulo geborene Bruna Moura musste 2011 wegen Herzproblemen ihre Karriere beim Mountainbiking aufgeben. Ihre Kollegin Jaqueline Mourão hat ihr zuerst zu einer Herzoperation verholfen und sie dann auf die Rollerski gebracht, dem Trainingsgerät für Langläufer während der Sommerzeit. Jetzt werden die beiden in Peking gegeneinander beim Langlauf antreten.

Auch Jefferson Sabino hat Brasilien schon bei Sommerolympiaden vertreten. Er hat sich 2008 in Peking beim Hoch- und Weitsprung mit den Weltbesten gemessen. Jetzt verstärkt er die Bobmannschaft Brasiliens. Zu der gehören neben Jefferson Sabino und Edson Bindilatti auch Edson Martins, Erick Vianna und Rafael Souza.

Beim Alpinen Skifahren geht Michel Macedo in Peking an den Start. Der 23-Jährige ist im brasilianischen Nordosten, in Fortaleza, auf die Welt gekommen, jedoch schon als Kind in die USA umgezogen.

Sabrina Cass wird in Peking ihre olympische Carriere beim Freestyle-Skiing geben. Sie ist eigentlich in den USA geboren. Ihre Mutter ist aber Brasilianerin.

Ebenso ihr olympisches Debut wird Nicole Silveira geben. Die 27-Jährige wird in Peking beim Skeleton ihr Können mit ihren Mitsportlerinnen messen. Die Brasilianer setzen große Hoffnungen auf sie und darauf, dass sie sich unter die Top-Ten rodeln wird. Zur Welt gekommen ist sie im südbrasilianischen Rio Grande do Sul. Seit ihrer Kindheit lebt sie aber in Kanada.

Die elf brasilianischen Athleten stehen bereits fest. Zwei können abe rnoch hinzu kommen, der Snowboarder Augustinho Teixeira und die Einzelbobfahrerin Marina Tuono. Beide müssen noch die endgültigen Ergebnisse der Vorrunden abwarten.

Die brasilianischen Fans werden hingegen schon jetzt über Fernsehen und Internet auf die Teilnahme ihrer Landsleute bei den Winterspielen vorbereitet, und das mitten im Sommer. Denn in Brasilien ist derzeit tropischer Sommer. Der macht die Bilder von Schnee und Kühle zu einer willkommenen Abwechslung.

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AutorIn: Gabriela Bergmaier Lopes

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